Vertraute Fremdheit [KF „Vatersprache“]

Ein türkisches Mädchen, weit entfernt vom Herkunftsland aufgewachsen, kämpft um die Unterstützung und Akzeptanz ihres Vaters. Da sie ihr ganzes Leben in Deutschland verbracht hat, fällt es Leyla (Merve Tapprogge) schwer, ihre Muttersprache zu lernen. Die unerwartete Anreise von Tante und Onkel, die kein Wort Deutsch sprechen, verschärft die derzeitige Beziehung zwischen Leyla und ihrem Vater weiter.
Das Ausgrenzen und Verzweifeln Leylas ergreift das Herz des Zuschauers, ebenso wie das Desinteresse des Vaters an seiner Tochter. „Vatersprache“ ist ein Synonym für das Erlernen von Leylas Muttersprache, vielmehr aber ein versteckter Hinweis für den Zuschauer, die Vater-Tochter-Beziehung genau zu betrachten.

Weniger ist mehr

Der komplette Verzicht auf Hintergrundmusik ist ungewöhnlich: nur die türkischen Gespräche und der laufende Fernseher erzeugen eine Geräuschkulisse. Die Dialoge zeigen anschaulich die innere Zerrissenheit von Leyla, wie sehr sie verstehen und mitreden möchte und doch in ihren sprachlichen Schranken gefangen ist. Mirjam Orthen ist es gelungen, die Komplexität dieses Themas auf den Punkt von 13 Minuten zu bringen und dabei den Zuschauer fesselnd mitfühlen zu lassen.

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