„Lass dich nicht provozieren!“ [KF „Faustschlag“]

Der schwarze PKW steht verlassen auf dem leeren Parkplatz vor der Polizeistation. Türen und Kofferraum sind geöffnet. Wo aber sind die Insassen? Diese Frage soll erst zum Ende von „Faustschlag“ beantwortet werden, denn sie bildet die inhaltliche Klammer des Films.
Der Protagonist des Kurzfilmes von Regisseur Malte Ollroge ist ein wortkarger, schwarzer Boxer. Angeblich wegen fragwürdiger Papiere wird er auf dem Weg zu einem wichtigen Kampf von spanischen Polizisten verhaftet. Der Beamte, der ihn verhört, offenbart sich als rassistischer Folterknecht. In einem packenden Psychoduell muss der Boxer Willenskraft beweisen.

 

Wie es sich für einen Boxerfilm gehört, beginnt die Geschichte in bester Rocky-Manier mit joggendem Boxer in Großstadtkulisse. Das etwas platte filmische Zitat ist wohl auch nicht ganz ungewollt. Die Situation, in der sich die Protagonisten der beiden Filme befinden, ist sich dazu zu ähnlich: Beide führen einen Kampf gegen einen übermächtigen Gegner und stehen zur gleichen Zeit vor der Chance ihres Lebens.

 

Geistige und körperliche Bewährungsprobe
Der Boxer muss die Provokation des Polizisten widerstandslos ertragen. Er weiß, dass er mit jeder noch so geringen Gegenwehr seine Verhaftung begründet und damit den Kampf verpasst. Dabei weiß der Zuschauer um den Rat, den der Boxer am Anfang des Filmes von seinem Trainer erhält: „Lass dich nicht provozieren und halt die Deckung oben!“ Die Spannung steigt kontinuierlich. Immer wieder wird das Geschehen durch Zwischensequenzen des Boxers beim Kampf im Ring unterbrochen, die eine Art Kommentar für das Verhör liefern. Ein Schlag in den Magen symbolisiert den letzten entwürdigenden Versuch des Polizisten, sein Opfer aus der Reserve zu locken, indem er ihm ins Gesicht spuckt. Wird sich der Boxer wieder aus den Seilen befreien können? Ein epochales Ende – im Stile Hollywoods wie für den heroischen Rocky – sollte der Zuschauer aber nicht erwarten.

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