„Kannst du meine Frau mal für zwei Wochen gießen?“ [Retro „Boxhagener Platz“]

Jeder kennt jeden und die Eckkneipe ist Anlaufstelle für alle – so sieht es 1968 in der kleinen Welt des Boxhagener Platzes aus. Diesen Eindruck vermittelt zumindest der Schauplatz des gleichnamigen Films von Matti Geschonneck. Er erzählt die Geschichte der alten Otti Henschel (Gudrun Ritter) und des Spartakuskämpfers Karl Wegener (Michael Gwisdek). Otti selbst ist zu Beginn des Films noch mit Rudi (Hermann Beyer) liiert, jedoch verstirbt er, während Otti ihn wegen Karl verlassen will. Damit wäre es dann Nr. 5 auf ihrer Liste der verstorbenen Männer und ein weiterer Grund, um nahezu täglich mit ihrem Enkel Holger (Samuel Schneider) eines der Gräber auf dem Friedhof zu besuchen.

Kleine Schmunzler
Wie ein roter Faden schlängelt sich der trockene Humor der Darsteller über die detailliert eingefangene Situation im damaligen Ost-Berlin. Von kleinen Schmunzlern wie „Das ist ein waschechtes Flugblatt“) bis hin zu „großer“ Gesellschaftsanalyse à la „Wer ‘nen ganzen Tag Sex hat, hat keine Zeit zum Arbeiten, also ist er auch gegen das Kapital“ ist alles vertreten.
Die auf dem Buch von Torsten Schulz basierende Komödie stellte eine wunderbare und lockere Eröffnung des 20. filmkunstfestes dar. Der Autor selbst sowie Gudrun Ritter, Samuel Schneider und Meret Becker genossen den Film im Capitol und standen anschließend noch für eine paar kurze Worte auf der Bühne. Bei diesem Einstieg darf uns eine interessante und lustige Woche erwarten.

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