Jacob Matschenz: Zivi, Müllerssohn, Freibeuter und Drogendealer [Interview]

Freitagabend im Capitol, Saal 4. Der FilmTalk zu Bis aufs Blut ist in vollem Gange. Wir warten auf Nachwuchsschauspieler Jakob Matschenz. Als er die Treppe endlich hochkommt, stolpern wir fast übereinander und erzählen ihm von unserer Absicht. „Klar. Können wir dazu rausgehen? Ich würd gern eine rauchen.“

 

Wie geht’s dir?
Jut, und selber?

 

Wir schlafen nicht. Wir trinken Kaffee und wir schlafen nicht. Und wir trinken Kaffee.
Das ist jut! Das macht man ja so auf Festivals.

 

Jacob, hier beim filmkunstfest bist du mit insgesamt vier Beiträgen dabei: In der Spielfilm-Kategorie mit Bis aufs Blut und Renn wenn du kannst, außerdem mit dem Märchen Der gestiefelte Kater und mit der Störtebeker-Komödie 12 Meter ohne Kopf. Wie hast du dich auf diese verschiedenen Rollen vorbereitet?
Man setzt sich mit den Regisseuren zusammen, liest vorher das Drehbuch und bringt sich mit Vorschlägen ein.

 

Irgendwas Besonderes? Bei Bis aufs Blut bist du schließlich ein Drogendealer.
Naja, soll ich in den Knast gehen, meine Freundin vertrimmen oder Drogen verticken, damit ich das besser fühle? (alle lachen) Nee, tut mir leid. Da bin ich nicht der Typ für.

 

Bei Renn wenn du kannst spielst du einen Zivildienstleistenden, der einen sarkastischen Rollstuhlfahrer betreut. Warst du selbst Zivi?
Ick hab weder Bundeswehr noch Zivi gemacht. Das hat sich so ergeben. Jetzt bin ick sechsundzwanzig und durch. Ich hab aber schon einmal einen Film mit einem Behinderten gedreht. Für die Vorbereitung war ich dann auch in einer Behindertenwerkstatt.

 

Was ist das Beste an deinem Job als Schauspieler?
Das man zum Beispiel an wahnsinnig ausgefallene Orte kommt, die man ansonsten nicht besucht. Wann kommst du mal auf eine Hansekogge? Wenn du nicht irgendwas verbrochen hast, wie kommst du dazu, einen Knast zu besuchen? Es gibt viele tolle Seiten am Schauspielberuf. Unheimlich durchgeknallte Individualisten, die das alle machen. Lustige Leute, die sich da zusammen finden.

 

Was steht bei dir als nächstes an?
Im Sommer mach ich erst mal Urlaub. Auf der MeckPomm-Platte, ein bisschen paddeln. Das hab ich schon ewig nicht mehr gemacht, früher bin ich mit meinen Eltern immer mitgepaddelt, als ich noch kleen war. Die letzten Jahre hatte ich im Sommer so viel zu tun, jetzt gönn ich mir das mal. Einfach nur Wasser und Laub.

 

Wie bleibt man als Schauspieler auf dem Boden? Du bist ja sehr bodenständig.
Echt, wirkt das so? Ick tu bloß so. (lacht) Mein Tipp ist: Such dir nicht allzu viele Schauspieler-Freunde und treib dich nicht die ganze Zeit mit Filmleuten herum. Wenn du nur im eigenen Saft kochst, ist das ja langweilig.

 

Du verdienst doch bestimmt gut Geld.
(lacht) Du, dit sind Studentenprojekte. Ich kann nicht so viel Geld um mich schmeißen. Kommt immer drauf an, wie groß das Projekt ist. Bis aufs Blut und Renn wenn du kannst sind ja, vom Budget her, eher kleinere Produktionen gewesen. Damit wirste nicht reich. Wenn du Glück hast, läuft der Film auf ‘nem Festival. Dann bekommste vielleicht ‘ne Empfehlung für ‘ne neue Rolle, mit der man mal mehr Geld verdient.

 

Bist du lieber gut oder böse?
Och, gute Frage. Kommt drauf an, wat spannend ist. Gibt spannende gute Rollen, gibt auch spannende böse Rollen. Da will ich mich nicht festlegen. Es macht aber schon mehr Spaß, den Bösewicht zu spielen.

 

Vielen Dank für das Interview!

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