Im Rollator zum Siegertreppchen [Dok „Herbstgold“]

Weitsprung, Kugelstoßen, Sprintlauf. Vorbereitung, Training und dann endlich der Wettkampf. Der Wille, andere und seine eigenen Bestleistungen zu überbieten. Hört sich wie eine ganz normale Leichtathletik-Weltmeisterschaft an. Doch „Herbstgold“ wagt den Blick über den (Diskus-)Tellerrand: Alle Teilnehmer sind Senioren, einige sogar weit über 80 oder 90 Jahre alt. Warum sie die Strapazen im hohen Alter noch auf sich nehmen? Eine ganz olympische Maxime: Dabei sein ist alles. Und schließlich wollte man ja auch „jung bleiben“.
Was im ersten Moment nach gemütlicher Kaffeefahrt mit Aerobic-Step-Einlage klingt, ist in Wirklichkeit harter Wettkampfsport. Die rüstigen Rentner nehmen ihre Leidenschaft durchaus ernst. Sport gehört hier zur Lebensqualität wie der nachmittagliche Tanztee zum Altersheim.

Lebensechte Portraits
Dokumentarfilmer Jan Tenhaven hat fünf der Teilnehmer bei ihrer Vorbereitung auf die internationalen Leichtathletik-Wettkämpfe in Finnland begleitet. Eigentlich dachte Regisseur Tenhaven, dass er niemals einen Sportfilm machen würde. In der Schule sei er eher der Typ gewesen, der „aus Versehen“ seinen Turnbeutel vergaß. Über die rüstigen Sportsenioren, die er in „Herbstgold“ so lebensecht portraitiert, kann es daher umso mehr staunen.
„Herbstgold“ greift auf vielfältige Kameraeinstellungen zurück, um den Wettstreit um die Goldmedaillen darzustellen. Detailaufnahmen im Slow-Motion-Modus fokussieren die Spannung auf den Moment, der über Triumph oder Niederlage entscheidet. Stimmungsvolle Kompositionen verleihen jeder Szene dabei die passende Atmosphäre. Unvergessen die Szene, in der ein 100-jähriger Österreicher die Diskusscheibe 12 Meter weit schleudert und anschließend im Rollator am Siegertreppchen steht.
Eine gelungene und in sich stimmige Dokumentation darüber, dass Sport keine Frage des Alters ist – sondern einer optimistischen Lebenseinstellung.

Ein Kommentar

  1. Das ist echt Stark in dem alter noch so eine Begeisterung für Sport zu zeigen. Ich hoffe das wenn ich mich später nur noch mit einen Rollator fortbewegen kann auch noch an solchen Wettkämpfen teilnehmen kann.

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