Hjördis, die Schreibmaschinensammlerin mit Blaubeervorliebe

Es ist Sonntagvormittag. Die Schweriner Innenstadt wacht langsam unter den ersten Sonnenstrahlen auf. Während Hjördis – eine unserer filmab!-Teilnehmerinnen – und ich auf den Pfaffenteich zuschlendern, wundert sie sich, wie menschenleer die Stadt noch ist. „Schon komisch, wie wenig hier los ist.“, sagt sie, während einige Großeltern mit ihren Enkeln die Schwäne und Enten mit Brotstücken füttern. Wir setzen uns auf die Treppenstufen am Ufer. Notizblock und Kugelschreiber gezückt, und schon kann’s losgehen.

 

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Hjördis, wie geht’s dir so?
Ich bin noch ein bisschen müde, der Kaffee wirkt langsam. Ich bin leider etwas erkältet – ich war es schon die ganze letzte Woche. Aber nächste Woche wird’s hoffentlich wieder besser.

Wie bist du heute in den Tag gestartet?
Mit Haare waschen – und habe dabei gemerkt, dass meine Haare zu lang sind und wie viel Zeit ich damit verschwende! (lacht) Christopher und ich waren danach beim Bäcker und haben für die Redaktion 30 frische Brötchen gekauft. Aber es war total voll.

Bei welchem Bäcker wart ihr denn Brötchen kaufen?
Puh, keine Ahnung, wie der hieß. Der Name steht auf der Tüte. Eigentlich wollten wir ja auch noch 30 Knüppel mitbringen…

„Knüppel“?
Ja, diese länglichen Brötchen. Kennst du die nicht?

Also so wie Baguettes?
Ja, genau. Hier nennt man die Knüppel.

Hmm, diesen Begriff kannte ich dafür noch nicht. Was isst du denn sonst morgens zum Frühstück?
Eigentlich esse ich sonst kein Frühstück, oder habe keine Zeit dafür. Manchmal lieber Obst, Blaubeeren zum Beispiel. Aber das ist immer so mühsam. (lacht)

Was machst du denn, dass du so wenig Zeit hast?
Ich schlafe nicht unbedingt sehr viel, aber ich gehe meistens spät ins Bett. Und dann brauche ich etwas länger, um nachmittags dann langsam wach zu werden. Ach, meist ärgere ich mich oft einfach über mich selbst, dass ich meine Zeit vertrödle. Ich kann mich stundenlang auf eine ganz bestimmte Sache konzentrieren und vergesse schnell alles um mich herum – bis ich dann merke, dass ich eigentlich noch was ganz anderes erledigen wollte.

 

Wir erzählen noch etwas über ihr Studium in Greifswald, Germanistik und Kunstgeschichte sind ihre Fächer und mittlerweile ist sie im 4. Semester. Eigentlich wollte sie nach dem Abi ein FSJ in Schwerin machen, am Theater oder an der Schule der Künste. Leider kam die Absage dann so spät, dass nicht mehr viel Zeit für Alternativen blieb. „Und bevor ich gar nichts mache, habe ich mich dann noch ganz spontan in Greifswald eingeschrieben.“ Obwohl sie selbst von einem Dorf kommt, findet sie Greifswald „klein und manchmal langweilig“. An den Wochenenden fährt sie dann meistens zu ihren Freunden, nach Hamburg oder Berlin.

Während wir durch die Friedrichstraße zum Komplex zurückgehen, sehen wir in einem der Läden ein Plakat zum Flohmarkt, der am nächsten Sonntag stattfinden soll. „Da freu ich mich schon drauf. Da findet man immer ganz viele tolle Sachen, Schreibmaschinen zum Beispiel“, erzählt mir Hjördis – und nebenbei erfahre ich, dass sie Schreibmaschinen sogar sammelt. Vier Stück kann sie inzwischen ihr Eigen nennen. Manchmal schreibt sie damit auch einen Brief an Freunde – „ganz old school“, wie sie sagt. Schade, dass ich sie dazu nicht schon im Interview befragt hatte.

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