„Früher hast du vor lauter Alkohol in Omas Haus gekotzt, nun predigst du, was?“ [SF „Na Putu – On the Path“]

„Ich wollte gar keine Antworten finden, sondern Fragen aufwerfen“, so „Na Putu“-Regisseurin Jasmila Žbanić. „Nicht notwendigerweise ein Film über Religion. Es geht um Beziehungen. Was passiert, wenn ein Partner seinen Weg gefunden zu haben glaubt und inwieweit der andere dies respektieren kann.“ Damit pflanzt Žbanić den Zuschauer direkt ins Herz von Bosnien: Im Nachkriegssarajewo ist das junge, glückliche Paar Luna (Zrinka CviteÅ¡ić) und Amar (Leon Lucev) „na putu“ – auf dem Weg von- und zueinander.
Vorhang auf. Partymusik. Niemand hätte gedacht, dass der Streifen, der mit zwei so Verliebten und einem Happy End begann, mit zwei auseinandergerissenen Seelen und den leisen Klängen einer Kinderspieluhr endet.

Und was kommt nach dem Happy End?
Es folgt ein leises, aber intensives Drama über Lieben und Auseinanderl(i)eben. Die 36-jährige Regisseurin hat ihren Finger am Puls der Zeit. Dort, wo östliche und westliche Kultur aufeinandertreffen, trennen sich die Lebensansichten des Paares.
Die Beziehung bekommt durch Amars Alkoholkonsum und den unerfüllten Kinderwunsch erste Kratzer. Als eine Therapie nicht hilft, sucht Amar Halt bei Bahrija (Ermin Bravo), einem streng gläubigen Wahhabiten in einer Moschee. Amar hört mit dem Trinken auf und verändert sich und seine Lebensweise unter dessen Einfluss. Er symbolisiert im Laufe des Films den Inbegriff der traditionellen, konservativen Denkweise. Im Gegensatz zu Luna, die ihre einst gemeinsame und nun „sündhafte“, liberale, tolerante Lebensart – ohnmächtig Amar zu akzeptieren und zu verstehen – verteidigt.
Zuvor mokierten sich beide über Burka tragenden Frauen und enthaltsame Männer. Nun weckt Unverständnis für den Anderen Streit und Zurückweisung. Die Frage nach der Entscheidung, sich oder seinen Lebensstil für einen geliebten Menschen aufzugeben, rückt ins Zentrum des Films, während genaue religiöse Fakten in den Schatten fallen.

„Komm zu mir zurück.“ – „Komm du zu mir zurück!“
Durch die Veränderung Amars und den Widerstand Lunas wird es für den ohnmächtigen Zuschauer immer trauriger, der zerbröselnden Liebe beizuwohnen. Akzeptanz von Veränderungen und die individuelle Verantwortung sind nicht nur ein Fazit aus der Beziehung der jungen Bosnier, sondern auch ein subtiler Appell an junge Muslima, schlussendlich sich nicht einfach hörig den Regeln der Religion zu beugen.

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