Einsame Insel [NDR-special „Henk, der Inselsheriff von Hiddensee“]

Eine Insel. Ein Mann. Ein Beruf. Horst Henk ist seit fünf Jahren der einzige Polizist auf der Ostseeinsel Hiddensee. Er wohnt allein, seine Kinder sind bereits erwachsen und ausgeflogen. Er kocht für sich allein, ist geschieden. Als Hauptkomissar gehören Fahrradkontrollen und Wegbeschreibungen für Touristen zu seinen täglichen Aufgaben – „von acht bis fünfzehn“.

30 Minuten dauert das NDR-special. 30 Minuten Geschmacklosigkeit, Sarkasmus und Unprofessionalität. Anfangs habe ich das Gefühl, dass dieser Film nicht wahr sein kann, Spekulationen über gestellte Szenen und Schauspieler keimen auf. Doch nach und nach wird klar: Henk nimmt sich selbst und das Gesetz sehr ernst. Und der NDR macht sich darüber lustig. Interviews mit verärgerten Insulanern und immer wieder eine Einstellung: Henk allein. Allein am Hafen. Allein beim Grillen. Allein unterwegs mit dem Wohnmobil. Skandalgeil wird auch noch der etliche Jahre zurückliegende Tod von Henks Freundin zum Thema gemacht um dem verletzlichen Polizisten noch mehr Angriffsfläche zu verleihen. Sätze des Kommentators wie „erkennungsdienstliche Behandlung à la Henk“ beim Fotografieren von Touristen oder „jetzt nicht weiter nachdenken, Augen auf die Straße“ mit dem Hintergrund, dass Henk Fahrer des Unglücksfahrzeugs war, bei dem seine Freundin verstarb, lassen den Mann Mitte fünfzig von Minute zu Minute lächerlicher erscheinen. Unterstüzt wird dies von gelegentlicher Musik wie aus dem Wilden Westen. Jedoch steht Henk weder in der amerikanischen Wüste noch im Saloon.

Henk, der Inselsheriff von Hiddensee ist einer der traurigsten Filme, die ich bisher in der filmab!-Redaktion im Rahmen des filmkunstfestes M-V gesehen habe. Horst Henk mag sich selbst und seine Berufung zu ernst nehmen, man könnte vielleicht sogar sagen, er ist ein komischer Kautz. Doch das berechtigt den NDR noch lange nicht, so respektlos über einen einsamen Mann auf einer einsamen Insel zu berichten. Schade.

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