Auf der Flucht vor sich selbst [SF „Der Räuber“]

Renn. Schneller. Sie sind hinter dir. Fast haben sie dich. Los. Pass auf. Jetzt bloß keinen Fehler machen. Renn!

 

Johann Rettenberger (Andreas Lust) hat zwei besondere Talente: Marathonlaufen und Banken ausrauben. Wegen letzterem saß er schon sechs Jahre im Knast. Sechs Jahre, in denen sich seine Energie im Kreis ‚entlud‘: Täglich muss er sein Lauftraining auf dem Gefängnishof verrichten. Als er entlassen wird, trifft er im Arbeitsamt seine alte Liebe Erika (Franziska Weisz) wieder. Johann zieht wieder bei ihr ein, verfällt jedoch sofort in seine alten Verhaltensmuster: Banken ausrauben. Dabei trägt er eine Art Markenzeichen – die Maske. Es ist wie eine andere Haut, in die er schlüpft, eine andere Person, ein anderes Leben. Seinem misstrauischen Bewährungshelfer erzählt er, dass er sein Leben durch die Preisgelder der Marathonläufe finanziert. Doch bald wächst ihm alles über den Kopf und die Blase, in der er lebt, droht zu zerplatzen.

 

Benjamin Heisenberg gelang ein Film, der ohne große Dialoge nicht langweilig wird. Im Gegenteil: Die Kameraeinstellungen sind abwechslungsreich und interessant. Die Musik, die bei den Autodiebstählen im Radio läuft, ist so herrlich unpassend, dass der Zuschauer unwillkürlich lachen muss. Mit der Spannungskurve des Films verhält es sich wie mit dem Adrenalin-Spiegel Johanns: Immer wieder schießt die Kurve in die Höhe und man hat das Gefühl, selbst in der Situation des Stresshormon-Junkies zu stecken. Einziger Wermutstropfen ist, dass die Story, die auf einer wahren Gegebenheit beruht, nicht zu 100 Prozent der Realität entspricht. Der Film ist wie Johann: kühl, beobachtend und zwingend in seiner Treffsicherheit.

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