Wurstketten zu Därmen [KF Arbeit für alle]

„Betreutes Arbeiten“ heißt für Matthias Vogel und Thomas Oberlies, ihrerseits Regisseure von „Arbeit für alle“, der nächste Schritt zur Effizienzsteigerung des sozialen Netzes. Denn: Alt und rüstig ist nicht gleich ineffizient. Vorbei sind die Zeiten, als Mitbürger gehobenen Alters nur beim Ankleiden oder Wäsche waschen unterstützt wurden. Der Kurzfilm „Arbeit für alle“ stellt ein revolutionäres Pilotprojekt der Agentur für Arbeit Magdeburgs vor. Vom jungen, unbezahlten Volontär Miro (Mark Auerbach) begleitet, kann Herr Janssen (Wilfried Elste) auch im Alter von 78 Jahren noch seinem Beruf nachgehen. Doch nach und nach wird selbst dem leichtgläubigsten Zuschauer klar: Hier stimmt etwas nicht! Es zeichnet sich immer mehr ab, dass dieser Film nicht ernst gemeint sein kann. In der Filmwissenschaft werden Werke wie „Arbeit für alle“ auch als Docu-Fake bezeichnet. Dem stetig anwachsenden Wesen des unbezahlten Praktikums wird hier zynisch und übertrieben die stetige Steigerung des arbeitsfähigen Alters gegenübergestellt. Immer stärker drängt sich die Frage auf, ob denn überhaupt eine bestimmte Bevölkerungsgruppe ein größeres Anrecht auf Arbeit hat.
Interessant und ungeheuer witzig wird der Film vor allem durch die unerwartet auftretende und maßlos übertreibende Gewalt, welche Genreklassiker wie „Saw“ und „Hostel“ schamlos aufs Korn nimmt. Dabei ist die Gewaltdarstellung durch ihre unrealistische und irrwitzige Inszenierung jedoch nie abstoßend. Wurstketten zu Därmen!

„Du Miro, was arbeitet Herr Janssen eigentlich?“

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