Stalins Paradies: Gemetzel, Gänseschlacht & Geschlechtsverkehr [FdW Das Land hinter dem Regenbogen]

Ein Soldat fährt auf einem Feld Fahrrad. Er brennt. Sein Kopf fehlt auch schon. Aber egal, er fährt unbeirrt weiter. Meine persönliche Lieblingsszene aus „Das Land hinter dem Regenbogen“. Ein anderer empfehlenswerter Ausschnitt: Ein Schwein wird aufgeschlitzt und die Gedärme kommen zum Vorschein. Die Kamera dreht sich weiter. Jemand stochert im Heu herum und trifft ‚aus Versehen‘ jemanden, der mal wieder in einem riesigen Heuberg rumlag. Zufall? Er lugt aus dem Berg und sein Auge fällt halb heraus. Mysteriös. Die Kamera dreht sich noch ein bisschen, und man sieht den Stalin verehrenden Bürgermeister des Dorfes Stalina, der gerade dabei ist mit einer jungen Frau zu verkehren – wie die meiste Zeit in diesem absurden Film.

Eigentlich habe ich nichts gegen solche Szenen. Aber warum ist dieser Film als „grandioses Filmepos“ ausgeschrieben? Als Zuschauer fühlt man sich wie in einem Amateurhorrorfilm, einem schlechten Billigporno oder einer Doku über Fleischer – oder einer Mischung aus allem drei zusammen. Aber wenn ein ganzer Film nur aus solchen Szenen besteht, frage ich mich unverzüglich: Bin ich vielleicht nicht intellektuell genug, um ihn zu verstehen? Denn eigentlich sollte es um ein Stalin huldigendes Dorf in den fünfziger Jahren gehen. Hätte sich der Sowjetdiktator so das Paradies vorgestellt?

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