Martin, der ausgeglichene Tempmalbauer

Komplex Schwerin, 2. Etage. Es ist später Nachmittag. Martin und ich sitzen im Seminarraum der Jugendgästeetage auf einer schmuddeligen, miefigen und durchgesessenen Couch – nichtsdestotrotz sitzt es sich ausgesprochen bequem. Martin macht einen entspannten Eindruck. Wir kennen uns nun schon seit September 2007, als ich das erste Mal bei einem JMMV-Seminar teilgenommen hab – und schon damals lernte ich seine Begeisterungsfähigkeit und seinen Hang zum kreativen Wahnsinn schätzen.

Wir haben uns nun schon ein paar Tage nicht gesehen, sein frisch gewachsener Bart steht ihm gut. Bevor wir loslegen, holt er zwei Plastikbecher, eine Flasche Wasser und eine Packung Apfelsaft. „Was möchtest du trinken? Apfelschorle?“ – Nein, danke. Mineralwasser reicht. Ein kurzer Schluck und schon geht’s los.

Martin, wie geht’s dir?

Ach, ganz gut. Ich bin ausgeschlafen, zufrieden, gespannt und… (überlegt) ausgeglichen.

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Würdest du deinen neuen Bart als Drei-Tage-Bart bezeichnen?

(tiefes Einatmen, kurzes Überlegen) Nee, das ist schon ‘ne Woche.


Du studierst ja in Greifswald Medizin, aber heute bist von wo anders hergekommen, oder?

Richtig, aus Crivitz. Ich hatte ein Klassenstufentreffen. Gemeinsam sind wir mit Kanus auf der Warnow gefahren.


Dein erstes Klassentreffen?

Nicht ganz. Wir hatten schon ein halbes Jahr nach unserem Abi ein Klassentreffen. Dafür war das jetzt unser erstes Klassenstufentreffen, mit so 50 bis 60 Leuten.


Und, hat’s dir gefallen?

Ja, doch, sehr gut. Ich hab mir sogar einen leichten Sonnenbrand geholt – ist aber nicht mein erster in diesem Jahr. Den hatte ich mir letztens beim Fahren auf der Autobahn zugelegt.


Seid ihr mit richtig professionellen Kanus gefahren?

Nee, würd ich so nicht sagen. Der Kanuverleiher war sehr… nun ja, suspekt.


„Suspekt?“ Inwiefern denn das?

Man muss ihn einfach erlebt haben. Mein erster Eindruck von ihm war seltsam – der zweite noch seltsamer. Es wäre eine Unterstellung zu behaupten, dass der Mann komplett nüchtern war. Aber so ist das vielleicht auf dem Lande.


Alkoholismus als ein Problem der Provinz?

(überlegt lange) Hmm. Nee, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Das kann man so nicht pauschalisieren.


Zurück zur filmab! – da bist ja nicht das erste Mal in der Redaktion dabei, richtig?

Ja, 2006 war ich schon mal dabei – also schon ganze drei Jahre her.


Wie hat es dir damals gefallen?

Sehr gut! Es war eine wunderbare Erfahrung. Ich war von der ganzen Woche sehr begeistert, vor allem von dieser Grenzerfahrung Schlafmangel (lacht). Eine umwerfende Gruppendynamik. Und am Ende hatte man eine Zeitung in der Hand, mit der sich jeder identifizieren konnte. Vor allem aber war das Filmemacherfrühstück am Ostdorfer Ufer ein super Abschluss. Ich weiß noch, wie ich im Strandsand saß und mit den Muscheln und Steinen rumgespielt hab – bis ich das „filmab!“-Logo zusammengestellt hatte. Eine Art kleines Denkmal.


Aber nur ein recht kurzzeitiges.

Ja, genau. Ein temporäres Denkmal – ein „Tempmal“ (lacht)!

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