„Man muss die Fantasie dahinter spüren.“ [Interview mit Ludwig Trepte]

Es ist 20.30 Uhr, der Wind weht inzwischen frischer am Capitol. Gerade ist die Vorstellung von „Ein Teil von mir“ zu Ende gegangen. Zwischen den Kinobesuchern kommt uns Hauptdarsteller Ludwig Trepte entgegen. Vielleicht hat er Zeit für ein kurzes Interview? „Können wir das draußen machen? Ich würd‘ gerne eine rauchen.“ Zielgerichtet geht der selbstbewusste Anfangzwanziger Richtung Ausgang. Die Zigarette ist angezündet, die Sonnenbrille aufgesetzt, noch ein paar Autogramme. Zeit für die erste Frage.

Ludwig, jetzt wo du gerade aus der Vorstellung deines neuesten Films „Ein Teil von mir“ gekommen bist: Wie wichtig ist dir das Feedback des Publikums?

Das ist das wichtigste überhaupt, wie die Leute ihn finden.


Wenn man einen Blick auf deine bisherigen Filme wirft, verkörperst du sonst eher den typischen „Problemjugendlichen“: Den Neonazi in „Kombat 16“, den rebellischen Schulverweigerer in „Guten Morgen, Herr Grothe“ oder den frustrierten Rapper in „Ihr könnt euch niemals sicher sein“. Wie kommt es, dass du immer wieder diese Rollen mimst, und was reizt dich an ihnen besonders?

Natürlich ist das ganz typisch deutsch, dieses Schubladensystem, in das man Schauspieler gerne hineinsteckt. Ganz oft mag ich auch die Rollen, weil diese Jugendlichen nicht nur oberflächlich betrachtet werden. Weil sie im Kern auch Menschen sind, die Liebe geben können – und Liebe haben wollen.


In „Ein Teil von mir“ spielst du einen 17-Jährigen, der sich gegen sein unerwartetes Vatersein sträubt – und somit ganz anderen Problemen ausgesetzt ist. Inwiefern war diese Rolle für dich neu?

„Ein Teil von mir“ behandelt diese kleine, außergewöhnliche Geschichte, die aber auch so alltäglich ist: Ein junger Mann, der durch die Liebe zu seinem Baby sich selbst entdeckt. Sie war insofern schwierig zu spielen, weil… (überlegt) sie so fremdbestimmt ist. Ein kompletter Kontrast zu dem, was ja eigentlich mich ausmacht.


Du bist im Rahmen des filmkunstfestes auch in der Jury des Kurzfilmwettbewerbs. Wie kam es dazu?

Meine Agentur rief mich irgendwann an und fragte, ob ich nicht Lust dazu hätte – und ich sagte: „Na klar, warum nicht?“ Das ist eine ganz neue Erfahrung, sich über Filme auszutauschen. Das finde ich superspannend und ich fühle mich auch sehr geehrt.


Was macht für dich ein guter Kurzfilm aus?

Er muss in wenigen Minuten ein spannendes Thema behandeln und eine Aussage treffen. Man muss die Fantasie dahinter spüren.


Im Vergleich zu großen Filmfestivals: Was macht das filmkunstfest für dich so besonders?

Es ist genauso professionell, nur ist es familiärer, gemütlicher, näher am Publikum. Nicht so großräumig. Man sitzt einfach intimer zusammen. Ich hoffe, ich werde im nächsten Jahr wieder dabei sein.


Die Zigarette ist aufgeraucht. Nacheinander schüttelt Ludwig uns die Hand und verabschiedet sich höflich, während schon die nächsten Zuschauer auf ein Autogramm von ihm warten.

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