Heimatlose Überlebenskünstler [SF Ein Augenblick Freiheit]

Mitten in Ankara prallen drei Schicksale iranisch-kurdischer Flüchtlinge ungewollt aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Da ist der verzweifelte Familienvater Hassan, der seinem kleinen Sohn Kian und seiner Frau Lale die Flucht in ein besseres Leben verspricht; die Freunde Ali und Merdad, die versuchen Merdads Nichte Azy und deren Bruder Arman nach Österreich zu ihren Eltern zu schmuggeln; und schließlich das ungleich komische Freundespaar Manu und Abbas, die ihre Träume eines gesicherten Lebens verwirklichen wollen. So verschieden sie auch sein mögen, sie alle haben dasselbe Ziel vor Augen: Freiheit – und die Flucht aus einem Leben in ständiger Angst und Repression. Das Streben nach dem sorgenlosen Leben ist jedoch bei allen verbunden mit Aufopferung, Ungewissheit, Enttäuschung und Treue. Treue, den politischen Idealen zu folgen, Familien zu beschützen und der eigenen Identität gegenüber. Alle möglichen Menschentypen deckte Regisseur Arash A. Riahi mit seiner Figurenkonstellation ab. „Ich wollte, dass jede Situation abgedeckt wird: erfolgreiche Flüchtlinge, die den Sprung in ein neues Leben schaffen und scheiternde.“, so Riahi in einem Interview. Sein Spielfilmdebüt beruht auf sechs Jahren profundierter Drehbucharbeiten, inklusive Recherchebesuchen im Iran, zahlreicher Flüchtlingsinterviews und autobiografischen Elementen. Das bewegende Gesellschaftsdrama zeigt nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf die politische Lage im Nahen Osten, sondern ermöglicht eine Sichtweise aus der persönliche Situation eines Flüchtlings – ob Kind oder Greis. Die Willkür der türkischen Behörden und die Brutalität durch den iranischen Geheimdienst bringen die Flüchtlingsgruppen auch in Ankara nicht dazu, ihre Hoffnung und ihre persönlichen Werte aufzugeben. Denn wie Manus politisch aktiver Freund Abbas nach der willkürlichen Prügelattacke nationalistischer Türken betont: „Lieber das Leben verlieren als die eigene Würde und Identität.“

Eindringlich, berührend und vor allem authentisch erzählt Riahi die Geschichte von heimatlosen Überlebenskünstlern, gefangen zwischen Hoffnung und Angst, Willkür und Unverständnis, Heimat und Zukunft. „Ein Augenblick Freiheit“ dürfte als Reaktion und Kommentar auf die politische Situation im heutigen Europa alle Vorurteile gegenüber Flüchtlingen liquidieren. Ein erzählerische Glanzleistung, die ein universelles Ideal der menschenlichen Natur verdeutlicht: Den Wunsch nach der Freiheit und dem Mut, seinen Träumen eine Chance zu geben.

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