Amerikanische Bindungselemente – Interview mit Stefan Fichtner

Heute hat das Filmkunstfest 2009 seinen ersten großen Auftritt und der filmab! gelang es, ein Exklusivinterview mit der Maschinerie, also den kleinen Zahnrädern, die hinter dem Kinovorhang die Hebel in Bewegung setzen, zu ergattern: Stefan Fichtner hat in Mainz Filmwissenschaft studiert und ist bereits zum dritten Mal in der Redaktion des filmkunstfestes dabei.

Hallo Stefan. Was machst du so?

Bei mir dreht sich alles um Filmrollen.

Das geht in verschiedene Richtungen: Ich mache zum Beispiel mit Hasso Hartmann das Programm für das filmkunstfest. So gibt es verschiedene Baustellen, ich habe mich besonders in die USA-Reihe eingebracht. Außerdem obliegt es mir, die Filme tatsächlich ranzuschaffen, also Kontakt mit den Verleihern aufzunehmen und so weiter.

Kannst du uns etwas zur „Mecklenburg Connection“ erzählen?

Es gab schon früher Kontakte zwischen Mecklenburg County in North Carolina und dem Mecklenburg hier. Letztes Jahr machten Leute aus Wirtschaft, Kultur und Politik unter der Rigide vom Wirtschafts- und Kulturministerium eine Wirtschaftsreise nach Charlotte. Da war unter anderem auch Torsten Jahn, Geschäftsführer von FilmLand M-V dabei und hat sich die filmische Landschaft dort näher angesehen.

Welche Art Filme gibt es auf dem Charlotte Film Festival zu sehen?

Eher Independentfilme, denn dort gibt es keine große Produktionsstruktur.

Mit den USA haben wir erstmals eine Länderreihe außerhalb Europas: Steht dies in Zusammenhang mit der Wahl Obamas?

Die USA waren bereits länger als Gastland geplant, aber es gab natürlich Spekulationen in der Redaktion. Also: Wir haben jedenfalls nichts dagegen.

Bereits im letzten Jahr wurden Filme wie „Nacht vor Augen“ und „Novemberkind“ auf dem Charlotte Film Festival gezeigt. Wie wurden die Filme von Seiten des amerikanischen Publikums aufgenommen?

Überhaupt nicht klischeehaft, wie man erwarten könnte: Das Publikum hat die Filme selbstkritisch und offen reflektiert. (Anm. d. Red.: „Nacht vor Augen“ hat in Charlotte 2008 den Publikumspreis erhalten.)

Gibt es in den USA denn eine Independentfilmszene, vergleichbar mit deutschen Filmfestivals oder Kinos, in denen auch kleinere Produktionen gezeigt werden?

Eine Trennung von Mainstream und Independent in den USA wird immer schwerer, was einerseits die Größe des Landes bedingt und sich andererseits durch Fehlen einer Filmförderung erklärt, wie sie in Deutschland fast jedes Bundesland hat. Ohne Stars geht in den USA gar nichts. Weder Kino noch DVD. „All about us“, eine Produktion aus der Länderreihe USA, beleuchtet eben dieses Thema aus Sicht eines Filmemacherpaars, das versucht, über Umwege seinen Film ins Kino zu bringen.

Nach welchen Kriterien erfolgte die Auswahl der amerikanischen Filme, die auf dem diesjährigen filmkunstfest gezeigt werden?

Natürlich sollten die Filme thematisch interessant sein und nach Möglichkeit weder zu experimentell noch zu wenig repräsentativ. An das Publikum muss schließlich auch gedacht werden.

Hat die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Partnerfestivals eher experimentellen Charakter oder soll es was Längerfristiges werden?

Genau genommen geht die Überlegung dahin, amerikanischen Filmen einen festen Platz im filmkunstfest einzuräumen. Weiterhin soll es „Deutsche Tage in Charlotte“ geben, in denen ein vielschichtiges Programm das Publikum auf kultureller Ebene zu bereichern gedenkt.

Mit der Hommage an Michael Ballhaus scheint der Zeitpunkt, eine USA-Länderreihe einzuführen und Filme wie Coppolas „Bram Stoker´s Dracula“ oder Scorseses „Die Farbe des Geldes“ zu zeigen, meisterhaft gewählt. Ist das Absicht?

Ja. Auf diese Weise lassen sich vielfältige Bezugspunkte in der Filmauswahl herstellen.

Vielen Dank für das Gespräch. Du gehst jetzt wieder an die Arbeit?

Ja, da gibt es immer was zu tun.


Im nächsten Moment ist Stefan hinter dem Kinovorhang verschwunden.

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