Schlimmer geht’s nicht, weiter schon (SF Der Mond und andere Liebhaber)

Der Mond geht auf, der Mond geht unter; die Liebe kommt, die Liebe geht und irgendwie geht immer alles weiter. Doch in Bernd Böhlichs Tragikomödie ‚Der Mond und andere Liebhaber‘ denkt sich nicht nur Hanna, überzeugend gespielt von Katharina Thalbach, sondern auch der Zuschauer: Jetzt reicht’s, schlimmer geht’s nicht. Doch dann setzt das Schicksal nochmal Einen drauf. Hanna möchte nicht mehr kämpfen, doch nicht einmal der Selbstmord klappt: Ein Erhängungsversuch endet mit einer überschwemmten Wohnung – der Strick war an einer Wasserleitung befestigt. Und so kämpft Hanna weiter, verliert und gibt dennoch nicht auf.

Auch wenn du keinen Arm mehr hast, kannst du die Ärmel immer hochkrempeln

Zuerst verliert die Mittvierzigerin ihren Arbeitsplatz, dann geht ihr ganzes Leben den Bach hinunter. Finanziell ist sie bankrott und in der Liebe begegnet ihr eine Pleite nach der nächsten. Schließlich hat sie einmal den Hauptgewinn gezogen – doch der entpuppt sich als Strandurlaub zur Regenzeit. Bei einem Gewinnspiel erhält sie eine Türkeireise während der Regenmonate. Auch in der Liebe ist das große Los ein faules Ei: Als sie sich als Beweis ihrer Liebe den Namen ihres indischen Liebhabers (Birol Ünel) in den Arm ritzt, reagiert er nur nüchtern und lässig mit der Zigarette danach zwischen den Zähnen: „Ich werde dich nie vergessen.“ Ihr wird klar, dass sie die Hoffnung auf ein neues Glück begraben muss. Sie will sterben, landet aber in der Psychiatrie. Aber genauso schnell wie sie hineinkommt, kommt sie wieder heraus und steht wieder mitten im Leben und mitten im Chaos. Sie beschließt, statt auf ihren Bauch auf ihre Vernunft zu hören. Aber Vernunft allein macht nicht glücklich. Zudem kann sie sich jetzt nur noch mit einem Arm durchs Leben boxen. Denn die Male an ihrem Arm entzünden sich so sehr, dass nur eine Amputation ihr noch helfen kann. Aber Aufgeben passt nicht zu „so ’ner kleinen Frau mit so viel Mut und so viel Gier nach Glück“, wie der Soundtrack von Silly sie passend beschreibt.

‚Der Mond und andere Liebhaber‘ bedient sich nicht der typischen Midlifecrisis-Klischees, sondern einer großen Portion Feingefühl, gepaart mit einer Prise Provokation. So ist der Film wie das Leben: Mal lustig, mal nachdenklich, mal langsam, mal schnell. Nur eines ist nicht so wie das Leben: Nach 100 Minuten ist Schluss.