Streifzug auf der Suche nach Liebe (SF Play)

Der Inhalt einer Tasche verrät vieles über einen Menschen. Das ist bei Architekt Tristán (Andres Ulloa) nicht anders. Sein Aktenkoffer landet nach einem Überfall im Müll und er somit im Leben der Krankenpflegerin Cristina (Viviana Herrera), denn diese entdeckt die Tasche eines Morgens zwischen Hausrat und Säcken. Cristina erforscht nicht nur den Inhalt ihres Funds, sondern auch das Leben seines Besitzers. Unbemerkt und leise dringt sie in Tristáns Welt ein. Sie lauert ihm vor seinem Haus auf, verfolgt ihn in der Stadt, auf dem Weg zu seiner blinden Mutter und deren schmierigen, aber lebenslustigen Liebhaber und beobachtet ihn mit seiner Exfreundin Irene im Café. Dabei bleibt sie stets unbemerkt. Das aus dem Süden Chiles stämmige Mädchen ist keine aufdringliche Stalkerin, sondern vielmehr eine stille Beobachterin. Sie verliebt sich in ihn und ist traurig, wenn sie ihn mit Irene (Aline Küppenheim) lachen sieht. Auch dieser folgt sie beim Einkaufen und ins Restaurant. Sogar in das Haus der beiden dringt sie ein, schminkt sich wie Irene, zieht deren Kleider an und schneidet sich die Haare wie sie.

Stille Beobachterin

Aber Cristina gibt sich dabei nicht selbst auf. Pflichtbewusst geht sie ihrem Beruf nach und pflegt den alten Don Milos. Selbst einen anderen Mann gibt es in ihrem Leben, den attraktiven Straßenkehrer Manuel. Dessen Sprache ist zwar so schmutzig wie seine Arbeit, aber die beiden mögen einander und kommen sich näher. Er träumt davon, in den Süden zu gehen und möchte Cristina mitnehmen. Doch sie hat einen anderen Traum und der heißt Tristan. Aber dieser wünscht sich nichts mehr als einen Neuanfang mit Irene. Da er mit der Trennung nicht zurechtkommt, bleibt er ein paar Tage bei seiner Mutter. Tristán stürzt sich in den Alkohol und schließlich von einem seiner Gebäude. Er ist nicht nur seelisch am Boden, sondern liegt dort nun fast tot.

Alicia Scherson Regiedebüt ist fast wie ein modernes Großstadtmärchen. Es gibt kraftvolle und poetische Bilder, einen Architekten als Prinzen und ein Mapuche-Mädchen als Aschenputtel. Nur hier ist es sie, die ihn rettet. Ob der Architekt ihr ein Märchenschloss bauen wird, bleibt offen. Denn das Leben ist wie eines jener Computerspiele, die Cristina ab und an spielt. Man drückt auf Play und es geht los. Um ins nächste Level zu kommen, braucht es meist mehrere Versuche und oft viel Geduld, doch welchen Schatz man zum Schluss findet, bleibt offen.

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