Mütterliche Rockröhre (Silly-Konzert)

„Hörst du sie rufen? Sie kommen mich suchen“, singt Anna Loos ins Mikro. Die Silly-Fans kommen in Scharen, das Capitol ist bis auf den letzten Platz ausverkauft. Und sie rufen aus einem Munde “Bravooo”.

Die Band zeigte ihre ganze künstlerische Bandbreite von rockig mit „S.O.S.“ bis romantisch mit “Bataillon d`Amour”. Die Rocker bewiesen, dass sie nicht nur vielfältig, sondern vor allem authentisch sind. So verzögerte sich der Auftritt um zehn Minuten, da Anna Loos noch nicht bereit war – nicht wegen Starallüren, sondern wegen ihres Babys. Die junge Mutter und Sängerin nimmt ihr Kind immer mit zu Konzerten und wenn dieses vor Hunger brüllt, kann sie erstmal nicht ins Mikro schreien. Doch dann zeigte Anna, dass sie eine echte Rockröhre ist und der ehemaligen Frontfrau Tamara Danz eine würdige Nachfolgerin ist. Mit Tamara feierte die Band zu DDR-Zeiten ihre größten Erfolge und landete einen Hit nach dem nächsten. Nach Tamaras Tod 1996 wurde es ruhig um Silly. Erst zehn Jahre später gründeten sie das Projekt “Silly und Gäste”, denn 2005 gab es mit der Schauspielerin und Sängerin Anna Loos eine neue Frau an der Spitze der Band.

Passt wie Arsch auf Eimer

Dass Anna nicht nur singen sondern auch richtig Party machen kann, bewies sie bei einem heißen Luftgitarrenspiel mit Gitarrist Uwe Hassbecker. “Flieg, flieg weit hinaus, hinaus ins Freie”, singt Anna und landet beim Publikum einen absoluten Überflieger, bevor sie “sich von der Flut wieder hinaustragen” lässt. Doch alle guten Dinge sind drei und so kam an dritter Stelle “So `ne kleine Frau” – die Inspiration zu Bernd Böhlichs Film “Der Mond und andere Liebhaber” mit Katharina Thalbach.

“Der Text und der Film passen echt zusammen wie Arsch auf Eimer”, kommentierte die Rockerin. War es am Anfang nur ein einzelner mutiger Fan, der unentwegt mitklatschte und -hüpfte, hielt es jetzt auch fast den ganzen Rest nicht mehr in den Kinosesseln. Und da alle guten Dinge nicht nur drei sind, sondern das Beste auch zum Schluss kommt, spielte die Band den Song zum Abschied noch einmal. Dazwischen gab es instrumentale Stücke als Kostprobe für weitere Filmmusik zu Böhlichs Tragikomödie.

Dann dachten sich wohl auch die meisten: Schmeißt die Möbel aus dem Fenster, wir brauchen Platz zum Dancen, Silly rocks!

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