Kein Freund von Langeweile – Interview mit Bernd Böhlich

IMG_2017.JPGHerr Böhlich, der Song ‚So ne kleine Frau‘ von Silly hat sie auf die Idee zu ihrem Film ‚Der Mond und andere Liebhaber‘ gebracht. Hören Sie privat auch gerne diese Art von Musik?

„Ja klar, solche Musik höre ich gerne. Dieser Songtext von Silly war mir immer sehr geläufig, auch wenn er jetzt schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat.“

Also haben Sie bewusst ein älteres Lied gewählt, das dem Alter der Figur Hannah gerecht wird?

„Hm, interessante Frage, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Ich bin ja auch schon älter. Damals war es eben in den Hitlisten ziemlich weit oben und irgendwie ist es bis heute bei mir hängengeblieben. Das Lied beschreibt einfach gut die Lebenssituation einer Frau Mitte oder Ende Vierzig und ihre Gefühlswelt. Dabei ist es immer sehr konkret und verzichtet auf metaphorische Umschreibungen. Ich finde es sehr authentisch.“

Angenommen, jemand würde Ihr Leben verfilmen wollen, zu welcher Titelmusik würden Sie ihm raten?

„Oh, das ist schwierig. Ich mag große Gefühle und Extreme, ein ständiges Auf und Ab, Emotionsamplituden, die weit ausschlagen. Also es müsste schon etwas sein, das zwei Gegensätze beschreibt. Da gibt es so ein Lied einer ostdeutschen Band. Es heißt ‚Zwischen Liebe und Zaun‘. Es beschreibt zwei Extreme und ist recht turbulent. Ich bin kein Freund gepflegter Langeweile.“

Die Figur Hannah ist eine echte Kämpfernatur und immer sehr optimistisch. Sind Sie das auch?

„Ja, das stimmt, sie muss permanent mit schlimmen Schicksalsschlägen fertig werden und verliert nie den Mut oder ihren Optimismus. So bin ich allerdings nicht, zumindest nicht in diesem Maße. Trotzdem kann ich mich sehr gut motivieren, Neues anzupacken. Ich brauche stets eine Aufgabe und Herausforderungen.“

Und was machen Sie, wenn Sie in einer Krise stecken?

„Dann stürze ich mich sofort in ein neues Projekt. Es hat keinen Sinn, an Dingen zu vergehen, die man sich wünscht, aber die sich so nicht erfüllt haben. Ständige Grübeleien machen einen nur kaputt. Man muss auch mal von Dingen absehen können und zusehen, wie man aus Neuem Kraft tanken kann. So kann ich aus meiner Phantasie Energie schöpfen.“

Also ist ein kreativer Schaffensprozess die beste Therapie für Sie?

„Ja, wenn etwas Neues entsteht, in das ich mich reinhängen kann, so ist das gleichzeitig ein Neubeginn oder zumindest kann ich damit Altes hinter mir lassen.“

Beim filmkunstfest sind Sie ja auch schon fast so etwas wie ein alter Hase. Was macht für Sie den Reiz dieser Veranstaltung aus?

„Es ist eine sehr lockere und ungezwungene Atmosphäre. Hier steht der Film im Mittelpunkt und nicht, was man abends für eine Garderobe trägt. Es ist alles sehr unkompliziert. Man kommt leicht ins Gespräch und knüpft interessante Kontakte.“

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