„Ich war nie der größte Anhänger Falcos“ (Interview mit Thomas Roth)


IMG_1968.JPGZielstrebig schlage ich mich durch den Presselunch. Vorbei an Schnittchen, Sekt und Stars. Ich suche Thomas Roth, den Regisseur des Eröffnungsfilms ‚Falco – Verdammt wir leben noch‘. Aber man hat ihn schnell gefunden, schließlich ist bei Herrn Roth die Herkunft aus den Alpen schon etwas zu sehen. Zwar sieht er nicht aus wie ein uriger Almöhi, aber Vollbart und längeres ebenso wuscheliges Haar lassen Assoziationen aufkommen.

„Österreich ist eine kleine Filmwüste“

Herr Roth, Sie sind dieses Jahr mit dem in Österreich schon sehr Erfolgreichen Film ‚Falco – verdammt wir leben noch‘ angereist. Wie erklären Sie sich den großen Erfolg in Österreich?

„Naja, Österreich ist ja schon eine kleine Filmwüste und da erregt eine nationale Berühmtheit wie Falco natürlich besondere Aufmerksamkeit. Allerdings hatten wir bei der Produktion und auch schon im Vorfeld Probleme mit Freunden und Angehörigen. Auf einmal hatte Falco 200 000 enge Freunde, die alle nicht wollten, dass Falco eventuell negativ dargestellt wird.Was den Film aber wahrscheinlich wirklich erfolgreich macht, sind einfach die Emotionen darin. Das ist eine Seite von Falco, die die meisten noch nicht kennen.“

Meinen Sie denn, dass der Film in Deutschland auch so erfolgreich wird?

„Na das hoffe ich natürlich! Der Film wird hier in Deutschland länger zum Anlaufen brauchen und wir starten in Deutschland nur mit 100 Kopien. Das sind zwar 20 mehr als in Österreich, allerdings ist das für Deutschland ein doch eher kleiner Start. Wir hoffen, dass der Film den Leuten so gut gefällt, dass die Mundpropaganda Leute ins Kino treibt. Hier kommt es hauptsächlich auf die Promotion an.“

Sie sind Regisseur und Autor. Haben Sie das gesamte Buch selbst geschrieben oder hatten Sie Hilfe und Beratung?

„Nein, ich habe das Drehbuch schon allein geschrieben. Ich habe mir allerdings aus alten Interviews und Gesprächen mit Familienmitgliedern und Freunden das Wesentlichste rausgepickt, um dem Falco in meinem Film seinen Charakter zu geben. Man darf ja nicht vergessen, dass es keine Doku ist die fragt: war Falko wirklich so? Es ist ja schon ein fiktiver Film.“

Ist es das, was Ihren Film von den vielen Dokumentationen über das Leben und Schaffen Falcos unterscheidet?

„Ja, in diesem Film wird eher die Psyche von Falco beleuchtet. Da ist zum einen der Popstar, der mit 24 Jahren schon Dollarmillionär ist und alles geschafft hat, und zum anderen der sensible Mensch, der aus bürgerlichem Haus kommt.“

Und das wiederum ist das faszinierende an Hans Hölzel alias Falco?

„Genau, dieses Jekyll-und-Hyde-Syndrom. Zu sehen, wo die Grenzen seiner Psyche waren. Es ist mir zum Beispiel auch immer noch unbegreiflich, wie ein junger Mensch, der so viel erreicht hat, dann in Drogen abdriften kann.“

„Mich hat eher der Mensch Falco interessiert“

Wenn Sie sich so intensiv mit Falco beschäftigt haben, sind Sie doch bestimmt Fan?

„Ich weiß nicht. Ich glaube, ich bin aus dem Alter raus, Fan zu sein oder die Musik zu hören. Ich war nie der größte Anhänger Falcos, habe ihn allerdings zweimal getroffen und er hat mich fasziniert. Mich hat eher der Mensch Falco interessiert als der Musiker.“

Warum sollte man mal wieder ins Kino gehen?

„Das Kinoerlebnis ist einzigartig, das kann man mit keinem Plasmafernseher nachstellen. Die älteren Leute gehen heutzutage viel zu selten ins Kino, das sind die, die ich gerne ‚Generation im Sessel‘ nenne. Ich glaube die jungen Leute entdecken das Kino immer mehr für sich. Ob man mit der Freundin ins Kino geht oder sich mit Kumpels einfach mal einen harten Film anschaut, ist da egal. Als Regisseur ist es natürlich auch eine Aufgabe, diesen Missstand aufzuheben.“

„Schließlich muss am Ende ja auch was dabei rauskommen“

Ich stelle mal eine These auf: Ein Regisseur dreht seine Filme immer für sich selbst. Wie sehen Sie das?

„Nein, auf gar keinen Fall. Das sehe ich nicht so. Der Film hat schließlich 3,9 Millionen Euro gekostet und ich glaube nicht, dass ich so smart bin, dass mir meine Sponsoren das Geld einfach so zu meinem Vergnügen geben. Schließlich muss am Ende ja auch was dabei rauskommen. Ich muss den Film schon so machen, dass er mir und den Leuten gefällt. Alles andere wäre wohl auch ein schlechter Film.“

Nachdem ich all meine Fragen auf Thomas Roth abgeschossen hatte, stürmten wir uns wieder in das Getümmel, um noch ein paar Schnittchen abzukriegen, bevor die Pressekonferenz losging.

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