Hohle Knallbonbons in braunem Einheitsbrei (SF Die neuen Nazis)

Wo Freiheit zu Unterdrückung wird, wird Widerstand zur Pflicht. Ein Jahr NPD im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns heißt die Bilanz des Dokumentarfilmes „Die neuen Nazis“ von Anke Jahns und Felix Pankok. Wie schlägt sich die nationale Solidarität im Schweriner Schloss? Der Film beleuchtet die führenden „Köpfe“ der NPD-Fraktion und zeigt Einblicke in das Verhalten Udo Pastörs‘ und Co.

Schlagkräftige Argumente

Nicht nur die Pressefreiheit wird mit Füßen getreten. Stefan Köster schmeißt auch mit Steinen auf linke Demonstranten. Schlagfertige Argumente werden bei den Rechten einfach anders interpretiert. Dafür macht die NPD ihre Holocaustverleugnung im Landtag aber mit Kinderfesten wieder wett. Kleine Mädchen spielen „deutsche Spiele“ und essen Bratwurst unter der NPD-Flagge. Und die Eltern schauen zu. Auf öffentlichen Reden wird das demokratische System angegriffen und vor dem Schweriner Schloss verteilt Udo Pastörs rechte Zeitungen an Kinder. Was soll man machen, wenn es anders nicht geht? Als ein Schüler Herrn Birker Lüssow an einem NPD-Infostand fragt, was denn die langfristigen Ziele der NPD sein, weiß der nicht was er sagen soll. Wäre ein „wir wollen das demokratische System der BRD zerstören und die Rassenpolitik wieder einführen“ zu hart? Oder ist die Kommunikationsfähigkeit Herrn Lüssows wirklich so eingeschränkt wie viele Schüler vermuten? Die Nazis agieren schon lange nicht mehr heimlich: sie versammeln sich auf öffentlichen Plätzen und marschieren durch die Städte. Doch der gemeine Bürger steht nur daneben und schaut benommen zu. Muss man denn nicht handeln? Die Nazis tun es doch auch!

Die antifaschistische Ohnmacht

Mit dieser antifaschistischen Ohnmacht beschäftigt sich „Da ist man lieber still“, der direkt nach „Die neuen Nazis“ im Capitol läuft. Hier wird nicht die Stadt beleuchtet, sondern die Jugend des Dorfes. Die älteren Leute fürchten sich vor den rechten Jugendlichen und lassen sie gewähren. Jugendclubs werden von Nazis übernommen und zum Treffpunkt der Szene aufgebaut. Die ganze Jugend mancher Dörfer scheint lückenlos rechts geprägt zu sein. An manchen Orten liegen die Wählerstimmen für die NPD bei 30 Prozent. Nur wenige engagierte Bürger wehren sich und stellen Projekte auf die Beine. Es gibt Lesungen, Theatervorstellungen und Jugendvereine. Doch die Dorfjugend zu überzeugen ist oft schwer. Theaterdirektor Wolfgang Bordel versucht die Jugend mit Theatervorstellungen abzulenken. Er meint: „Wir machen hier eigentlich nichts gegen Rechts. Wir machen was für das Leben. Und wenn man was für das Leben macht, macht man was gegen Rechts“. Wer am Samstag um 16.00 Uhr Zeit hat, sollte unbedingt ins Capitol gehen, um sich darüber bewusst zu werden, wie die Politik in unserem Land so läuft. Und wer da keine Zeit hat, geht Sonntagmorgen um 11.00 Uhr hin. Wenn die Nazis mit den Haaren auch den Verstand abrasieren, müssen wir halt für sie mitdenken.

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