Ein preisgekrönter Jung-Regisseur im Interview

Ein Lockenkopf mit einem Strahlelächeln. Eigentlich sieht er so aus, als könnte er nicht böse sein, aber ich habe trotzdem die Vermutung, dass er es ist – auf mich. Er scheint meine Kommentare zu ernst zu nehmen, hab ich uns doch leichtfertig zu Erzfeinden erklärt, als ich erfuhr, dass er Schüler der zehnten Klasse der Christophorusschule Rostock ist. Dabei kenn ich nicht einmal den Ursprung der Vorbehalte, die alle Doberaner Gymnasier den Christophorusschülern scheinbar automatisch entgegenbringen. Ich bin auch kein Mensch der Vorbehalte, also Felix, was würdest du als deine positivsten Eigenschaften bezeichnen? „Verlässlichkeit, Ehrlichkeit“ und dann fragt er seinen Freund Ole, der neben uns sitzt: „Was noch, Ole?“ Der hält sich natürlich raus, richtig so! „Achso, Ehrgeiz vielleicht noch.“

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Apropos Ehrgeiz, gehörst du zu den Spitzensportlern, für die deine Schule so berühmt ist?

„Oh nein.“

Das war ein eindeutiges Nein.

„Abgesehen vom Schulsport mach ich überhaupt keinen Sport. Ich hab viel durchprobiert, aber wenn man keinen Erfolg hat, hat man auch keinen Spaß.“

Hört sich aber nicht grad nach Ehrgeiz an.

„Sportlich gesehen, nicht unbedingt, nee, vielleicht eher musikalisch.“

Spielst du ein Instrument?

„Ja, in der Zwischenzeit sogar zwei.“

Welche?

„Seit sieben Jahren Schlagzeug, wobei ich mich selbst als ehrgeizig bezeichnen würde, ich übe mehrere Stunden täglich und spiele in drei Bands. Seit ein, zwei Monaten lern ich Gitarre.“

Mit dem Ziel, die Band mit Gitarre zu verkomplettieren?

„Ja, wenn man ein Instrument erlernt, möchte man das professionell machen. Ich will nicht nur so am Lagerfeuer zur Belustigung spielen, sondern in einer Band.“

E-Gitarre?

„Ja. Da mein Musikgeschmack auch eher von E-Gitarren beeinflusst ist.“

Welche Band ist grad dein Liebling?

„Lamb of God.“

Schlimm, wenn ich die nicht kenne?

„Nee, ich nehme an, dass das eher nicht in deine Richtung geht.“

Was geht dann in meine Richtung?

„Das weiß ich nicht. Aber von Metall bist du bestimmt nicht so angetan.“

Stimmt auch wieder. Hast du an der Schule Möglichkeiten, um so lange täglich zu üben?

„Wir haben einen Bandraum an der Schule, den ja wirklich jede gute Schule haben sollte.“

Wie Ole richtig einwirft, sollte hier das Wort „großkotzig“ im Artikel erscheinen. Aber auch das FFG Bad Doberan hat einen Bandraum, dass weiß ich noch und bin beruhigt.

„Ich hab einen Antrag an den Schulverein gestellt, weil unsere Schule allgemein den musikalischen Teil eher weniger fördert, und dann wurde der Bandraum mit einem neuen Schlagzeug und neuen Gitarrenverstärkern ausgestattet.“

Engagierst du dich auch sonst schulpolitisch?

„Ich bin Klassensprecher und im Internat Etagensprecher. Das sind nicht unheimlich wichtige Positionen aber ich engagier mich schon gerne und ich kann Erfahrungen sammeln. Ich bin gerne aktiv und hab gern viel zu tun.“

Kein Couch-Potato?

„Eigentlich nicht.“

Eigentlich?

„Naja, am Wochenende muss das manchmal sein. Wenn ich nicht im Internat bin, chill ich auch ganz gern mal.“

Seit wann bist du auf dem Internat?

„Seit der neunten Klasse.“

Und du kannst jedes Wochenende nach Hause, chillen und dich mit den Leuten von früher treffen?

„Theoretisch schon. Ich hab’s ganz gut, weil ich zu den Leuten am Internat gehöre, die noch recht nah in der Rostocker Umgebung wohnen.“

Wir verstricken uns in ein Gespräch, von dem Felix wünscht, dass die Einzelheiten nicht veröffentlicht werden. Also gut. Nun noch die obligatorische Frage zum Schluss: Warum bist du hier? Was hat dich dazu bewegt, in der filmab!-Redaktion mitzumachen?

„Wie gesagt: Es gibt an unserer Schule nicht so viel kreative Förderng. Ole und ich sind eher am Medienbereich interessiert und wir haben grad den Landespreis für unseren Englischfilm gewonnen, wo wir beide Regie geführt haben. Und Ole hat das Seminar im Internet gefunden und mich gefragt, ob ich mitkomme.“

Worum ging’s in dem Film?

„Es ist ein 16-Minuten-Kurzfilm. Eine Adaption von Romeo und Julia zur Zeit der Mafia. Also zwei konkurrierende Mafia-Clans. Wir haben auch geschauspielert und waren die beiden konkurrierenden Gangsterbosse.“

Was war der Preis, den ihr gekriegt habt?

„Etwas Geld und eine Einladung zum Bundesfinale in Erfurt.“

Wow, herzlichen Glückwunsch. Darf ich ihn sehen?

„Ja.“

Na dann. Ich klapp das Notebook zu und lass mich von einem Kurzfilm berieseln, der vielleicht nächstes Jahr hier in Schwerin im Wettbewerb läuft. Wer weiß…