Wahrer Sieger und echter Verlierer (SF Wie ein wilder Stier)

Er nimmt seine Gegner auf die Hörner und wird „der wilde Stier aus der Bronx“ genannt. Doch der Stier hat einen Ring in der Nase. An dem zieht sein Wahn. Der Wahnsinn, der ihn geißelt und seine Frau tyrannisiert – die krankhafte Eifersucht und die ungebremste Gier nach dem Sieg.

Der Stier sieht rot

„Konzentrier dich auf deinen Kampf“, „konzentrier dich auf deine Titelverteidigung“, „iss nicht zu viel“ – LaMottas Leben ist vom Kampf um den Sieg bestimmt. Die Seile des Rings sind bald Gitterstäbe eines Gefängnisses für ihn.


Was er darf und was nicht, richtet sich nur nach dem Erfolg beim Boxen. Da erscheint es absurd, wenn er zu anderen sagt. „Entscheide doch selber und tu, was du willst. Dies ist ein freies Land.“ Der Champion ist nicht frei, er ist gefangen in seinem Wahn und von den Regeln des Geschäfts. Der wilde Stier aus der Bronx muss gegenüber den Mitgliedern der Boxgesellschaft zahm sein. Denn nur diese ermöglichen ihm einen Kampf gegen den Weltmeister und die Chance auf den Gürtel. Der Boxfilm über die Legende Jake LaMotta (Robert de Niro), der von 1949 bis 1951 Weltmeister im Mittelgewicht war, beginnt mit der Trennung von seiner Frau und dem Neubeginn mit Vickie (Cathy Moriarty). Vickie ist jung und schön. Dies sehen auch andere Männer. Und Vickie ist charmant und hat ihren eigenen Kopf. Dies sieht Jake. Sein ständiges Nachfragen und Misstrauen und die Kontrolle durch seinen Bruder geben auch ihr das Gefühl, eingesperrt zu sein und unter dauernder Kontrolle zu stehen. Dies macht sie nur umso trotziger und steigert wiederum seine Wut, so dass er ihr gegenüber selbst vor Schlägen nicht zurückschreckt. Wie im Ring seinen Sieg, will er in der Ehe sein Revier durch Fäuste verteidigen. Und wie ein Stier sieht er in der Liebe rot und geht letztendlich sogar auf seinen Bruder und Manager Joey los, „denn wenn es um sie geht, traue ich niemanden.“

Auch wenn er im Ring meist steht, ist er im Leben doch ständig am Boden

Regisseur Martin Scorsese zeigt nicht nur das Ringen um den Sieg und legendäre Kämpfe mit Jakes Erzfeind Sugar Ray Robinson. Der Zuschauer sieht nicht nur gebrochen Nasen, sondern vor allem auch eine gebrochene Persönlichkeit. Denn am Ende hat er nichts mehr. Keine Frau, keine Kinder, keine Freunde, kein Geld. Als Boxer, Ehemann und selbst später als Entertainer in seinem Lokal ist er gescheitert. Somit ist ‚Wie ein wilder Stier‘ kein gewöhnlicher Boxfilm. Man sieht zwar viel Schweiß, Muskeln, bebende Brüste und fliegende Fäuste. Doch anders als der Kampf ist der Schnitt eher langsam. Die Kamera hält lange auf die Augen der rivalisierenden Gegner, auf das Seil und auf das Blut, das von den Schläfen tropft. Es ist kein schnelles K.O., sondern ein langsamer Sieg an die Spitze. Dieser zerrt an LaMotta ebenso wie das Training, die ständige Kontrolle seines Gewichts, die Eifersucht. Er trägt zwar den Weltmeistertitel, doch außerhalb des Boxens ist er ein Versager. Scorsese zeigt nicht nur LaMottas Fäuste, sondern stellt seine ganze Person dar.

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