Anarchische Momente auf Leinwand (Art from Austria from the 1960s to the Millennium – Ausstellungseröffnung)

Ein Mann sitzt auf der Couch und guckt fern. Doch das Programm bietet nicht viel Abwechslung. Wir sehen dort einen weiteren Mann, der auf seiner Couch sitzend fernsieht. Und auch auf dessen Fernsehbildschirm erscheint das gleiche Bild. Diese kleine Spielerei, die einem die Unendlichkeit einer Bild-im-Bild-Konstruktion vorführt, kennt wohl jeder aus dem ein oder anderem Film. „The Endless Sandwich“ von Peter Weibel gibt mit dieser kurzen Beobachtung einen Einstieg in sechs gesammelte Stunden österreichischen Videokunstmaterials, das noch bis zum 8. Juni täglich von 15.00 bis 18.00 Uhr im E-Werk besichtigt werden kann. Im Rahmen des filmkunstfestes fand gestern die Ausstellungseröffnung statt, der unter anderem auch Hasso Hartmann, künstlerischer Festivalleiter, beiwohnte.

Kleine Kameraexperimente, die mit der Wahrnehmung des Zuschauers spielen

Einen inhaltlichen Überblick über diese „Enzyklopädie österreichischer Videokunst“ gab André Werner den wenigen Gästen, von denen ein Großteil noch in der offiziellen Dankesrede erwähnt wurde. Mit einem locker sitzendem, schwarzen Sacko, aufgeknöpftem Hemd und einem Strohhut stellte er auf interessante Art und Weise die Entwicklung der Videokunst in ihren sechs Phasen dar. Dabei scheute er sich auch nicht davor, eine Verbindung zum bekannten Film „Zurück in die Zukunft“ zu ziehen, in dem sich ein Professor für eine aus der Zukunft mitgebrachte Videokamera begeistern kann.

Etwas spezifisch Österreichisches in den Filmen zu finden, damit hatte selbst André Werner Schwierigkeiten. In seinem Vortrag macht er deshalb nochmal deutlich, dass es sich bei der Ausstellung trotzdem um eine bedeutende Materialsammlung handelt, die am Beispiel Österreichs die Entwicklung der Videokamera und ihrer Möglichkeiten zeigt. Zusammengestellt durch die Medienwerkstatt Wien spielen die gezeigten Videoinstallationen von Künstlern wie Gottfried Bechthold und Ilse Gassinger mit dem Zuschauer und dessen Wahrnehmung.

Eine Enzyklopädie österreichischer Medienkunst

Die Videokunstausstellung bietet so eine Schnittstelle zwischen Film und Kunst, die sicherlich nicht jeden anspricht, aber auch nicht unbeachtet bleiben sollte auf dem diesjährigen filmkunstfest. Sie weist auf eine Nische in der Filmkunst hin und hat mit dem atmosphärischen E-Werk einen sehr schönen Ausstellungsort gefunden.

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