Wenn Ekel Alfred zum harmlosen Lamm mutiert (SF Reine Geschmacksache)

Wie schön das Leben einigen Privilegierten doch spielen kann…
Familie Zenker lebt in einer beschaulichen Einfamilienhaussiedlung, Papa Wolfgang erfolgreicher und sympathischer Handelsvertreter der Modekollektion „Goldberger Classic“ pflegt die aufblühende Liebe zu seiner neuen Mercedes S-Klasse, während Karsten Zenker, Sohn unserer vorbildlichen Persilfamilie, seine bevorstehende Bildungsfahrt nach Spanien plant. Mama Zenker kultiviert in der Zwischenzeit intellektuelle Zusammenkünfte mit Busenfreundin Brigitta. Alles wäre perfekt, wenn da nicht auf einmal die Modetukke Steve auftauchen würde, der mit seiner feschen Gegenkollektion „Goldberger Grazilla“ nicht nur Wolfgangs Kundenstamm, sondern auch Karstens Liebesleben gehörig durcheinander bringt. Doch während Herr Zenker liebevoll, gar zärtlich über das schwarze Innenleder seiner Autositze streichelt, wird dem aufmerksamen, als auch dem unaufmerksamen Betrachter schnell klar: Wolfgang Zenker ist ein Kotzbrocken wie er im Buche steht. Ihn als höflichen und verständnisvollen Vater, Ehemann oder Verkäufer zu betiteln, käme einer Übertreibung gleich, wie „Goldberger Classic“ als modische Offenbarung zu bezeichnen. Eine absolut sehenswerte und pointenreiche Komödie steht dem Zuschauer bevor, der sich nicht scheut, sich in Hass-, Lach-, und Fremdschämwogen zu suhlen, sondern auch hinter die Kulissen des amüsanten und doch tragischen Spießbürgertums schauen möchte. Natürlich sind die Charaktere überspitzt gezeichnet, doch seien wir mal ehrlich: Sympathiebalzen wie Wolfgang Zenker lauern überall und verspeien ihr engstirniges, intolerantes und selbstgefälliges Gift an jeder Straßenecke. Dass nicht jeder dieser liebenswerten Mitbürger wie unser Paradeekel mit Totalschaden bei Mitternacht im Gartenteich landet, möchte man dann fast als unausgleichende Gerechtigkeit bezeichnen.

Carolin Weidner

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