Über die Reize von Donald Duck und generelle Probleme mit Enten

Axel Prahl und Katharina Thalbach mit unseren Redakteuren im Garten des Schleswig-Holstein-Hauses
Exclusiv auf filmab.jmmv.de könnt ihr das komplette Interview mit Katharina Thalbach und Axel Prahl lesen:

Auf der Pressekonferenz wurde deutlich, dass Bernd Böhlich von Beginn an nur Sie beide für diese Hauptrollen im Sinn hatte – und auch niemand anderes dafür in Frage kommen würde. Hat das einen besonders hohen Erwartungsdruck auf Sie gelegt?

Auf der PressekonferenzPrahl: Nee, man hat sich eher ermutigt gefühlt…
Thalbach: …und adoptiert. Er wollte uns ja. Dann muss er mit dem leben, was er bekommt.
Prahl: Das ist ein tolles Gefühl. Wenn man so früh schon involviert wird in die Entstehung eines Filmes, ist das großartig. Und das ist für mich zumindest das, was Bernd auszeichnet, dass er immer eine Atmosphäre des Vertrauens schafft, auch bei der Arbeit.
Thalbach: Gerade bei den Schauspielern; der Requisiteur wird da schon mal angeschnauzt.

Fiel es Ihnen leicht, sich in diese Rollen hinein zu versetzen oder bargen sie auch unerwartete Herausforderungen?
Prahl: Es gab für mich durchaus eine unerwartete Herausforderung, nämlich den Sprung vom 5-Meter-Turm, die Arschbombe…
Thalbach: …wo ich leider nicht dabei war…
Prahl: Da hatte ich hinterher so (umschreibt die Größe mit dem Arm) ein Ödem am Oberschenkel. Das Ding musste nämlich 15 Mal gedreht werden. Und ich musste da immer wieder hoch. Außerdem war dieser 5-Meter-Turm in Wirklichkeit ein 7,50-Meter-Turm, weil es gar keinen 5-Meter-Turm gab. Ja, das war toll…
Thalbach: Also meine Herausforderung war die Drehnacht mit der Ente. Ich hatte noch nie als Drehpartner eine Ente, mit der ich mich auch unterhalte und dann auch noch mit nacktem Hintern. Das war doch schon eine große Herausforderung, die schief zu gehen drohte, weil die Ente entweder zu sehr an mir interessiert war oder mich absolut ignorierte.
Prahl:
Gänsesekt!
Thalbach: Ansonsten hat Böhlich ja mit uns im Kopf die Figuren entwickelt. Insofern waren die einem überhaupt nicht fremd.

Axel Prahl beim Lesen der FilmabFinden Sie sich denn in ihren Rollen wieder?


Prahl:
Naja, nun sind wir ja beide nicht die Arbeitslosen, die in der Platte wohnen. Und so eingerichtet sind wir natürlich auch nicht. Aber was beispielsweise die Herzenswärme dieser Figuren anbelangt, glaub ich die bei Kathy schon zu spüren.
Thalbach: Ach, mein Guter, ich bei dir auch. Auch wenn du mich betrügst.
Prahl: Na, das stand ja so im Drehbuch. Ich hätt’ dich nicht verlassen. Ist ja auch nicht ganz. Mein Herz ist ein Omnibus…
Thalbach:
…auf den man lange warten muss. Und kommt er endlich angewetzt, dann ruft der Schaffner: Schon besetzt!
Prahl: Von wem is’n dit?
Thalbach: Das war der erste Spruch in meinem Poesiealbum. Die Liebe ist ein Omnibus…
Prahl: Das ist schön.

Und wie war es für Sie, in diesem Film eine Rolle komisch darzustellen, die für viele Menschen in Deutschland heute bittere Realität ist?Axel, Katharina, Mooki und Jule mit den wunderschönen Ausgaben aus dem letzten Jahr
Prahl: Ich finde, dass man solche Problematiken eigentlich nur mit einer gewissen Portion Humor durchstehen kann. Humor ist für mich eine der lebenswichtigsten Sachen überhaupt.
Thalbach: Auch da wieder mein kleiner schöner Kinderspruch: Humor ist wenn man trotzdem lacht.

Würden Sie das Ende als ein Happy End bezeichnen?

Prahl: In gewisser Weise schon. Es geht ja um Personen, die sich in einem bestimmten Alter die Frage stellen, was sie bisher aus ihrem Leben gemacht haben und was sie gewagt haben. Es findet ein Aufbruch statt und das ist durchaus positiv. Das der dann trotzdem eine gewisse Traurigkeit und jemanden zurücklässt, dass ist natürlich tragisch.

Kann man denn von Ihren Filmfiguren auch etwas lernen?
Prahl: Von Herrn und Frau Moll lernen…
Beide: …heißt siegen lernen!
Prahl:
Es ist nie zu spät.
Thalbach: Ich tue mich immer schwer mit dem „Was-lernen-wir-daraus“.
Prahl: Ist ja kein Lehrfilm.
Thalbach: Wenn man das erklären kann, also wenn man das auf so einen Punkt bringen kann…
Prahl: …Dann ist es komisch, dann ist was falsch.
Thalbach: Irgendwie ist so ein Film auch eine Form der Poesie. Und Poesie kann man ja nicht immer erklären. Deswegen finde ich wenn Kunst, ob das jetzt Kino, Theater oder Bilder sind, in irgendeiner Weise dazu beiträgt, dieses Leben zu überleben find ich das schon mal großartig.
Prahl: Und sei es unser Leben.

Herr Prahl, sie mimen immer wieder diesen bestimmten Typus Mann, den man leicht in diese Schublade –

Prahl: Polizistenmann, meinen sie?

Nein, eher den Verlierertypen.

Prahl: Erstens unterscheiden sich die Charaktere inhaltlich schon, und in der klassischen Tragödie ist eigentlich immer der Verlierer eine der Hauptfiguren. Insofern hat Donald Duck dann auch den größeren Anreiz.
Thalbach: Also ich wollte immer Dagobert sein oder die Panzerknackerbande.
Prahl: Gustav Gans dagegen möchte keiner sein. Oder auch Daniel Düsentrieb, der ist doch völlig Stulle, oder?
Thalbach: Aber sein Helferlein mochte ich immer.
Prahl: Ja der mit der Glühbirne. Den hätte ich auch gerne gespielt.

Frau Thalbach, lassen Sie sich bewusst nicht auf eine bestimmte Rolle festlegen?

Thalbach: Ich habe Freude daran zu wechseln. Ich mache auch viel Theater und da achte ich schon darauf, dass ich da ein möglichst großes Spektrum habe. Ich habe es nun auch erweitert auf Männerrollen. Das macht mir schon Spaß.

Darf man fragen, welche Männerrollen?
Thalbach: Ich habe den Hauptmann von Köpenick gespielt.
Prahl: …großartig, wirklich grandios!
Thalbach: Jetzt spiel ich gerade den Theaterdirektor im „Raub der Rabbinerin“
Prahl: Ehrlich? Super, den muss ich sehen.
Thalbach: Musste mal vorbeikommen. Ich hab das schon mal in Rostock inszeniert und es jetzt noch mal in Potsdam gemacht.
Prahl: Potsdam? Ach, das ist ja gleich um die Ecke. Ich muss kommen…
Thalbach: Dann will ich natürlich auch wieder Frauen spielen. Sicherlich ist das Fach der Grand Dame ist jetzt nicht unbedingt das Fach –
Prahl: …wo man dich besetzt…
Thalbach: Hab ich aber auch schon gespielt als ich jünger war.
Prahl: Kannst du ja auch.
Thalbach: Aber das ist jetzt nicht, worauf jemand unbedingt bei mir kommt.
Prahl: Nee, du bist eher so die Frau an der Seite Tucholskys. Der hatte doch so ne verrückte Frau aus Schleswig-Holstein, die immer „Weißt du was?“ gesagt hat.
Thalbach: Den Dialekt kann ich leider nicht nachmachen.

Haben Sie schon vor diesem Projekt zusammengearbeitet?img_6897.jpg

Prahl: Leider nie.

Aber werden Sie es wieder tun?
Prahl: Herzlich gerne.
Thalbach: Triebtäter!
Prahl: Also, wenn sich die Möglichkeit bietet – sofort!
Thalbach: Ich auch.

Haben Sie denn in dieser Art noch Projekte, die sie unbedingt realisieren wollen?

Prahl: Ich würde wahnsinnig gerne mal einen Märchenfilm drehen. Ich versuch schon jahrelang den Andy Dresen dazu zu überreden. Aber irgendwie…
Thalbach: Ich hab gerade Rumpelstilzchen gespielt.
Prahl: Rumpelstilzchen… Ja, du wirst lachen. Das war mal am Theater angesetzt und ich war besetzt für das Rumpelstilzchen. Ich hatte mich schon so gefreut. Dann guck ich auf den Besetzungsplan und da hatten sie fürs Rumpelstilzchen nen Liliputaner eingekauft (lacht). Und ich spielte dann den Diener des Königs.
Thalbach: Nicht mal den Prinzen?
Prahl: Nee, Prinzen durfte ich nie geben. Ich war eher immer die kleine dicke Tanne zu Weihnachten.

Frau Thalbach, stört es Sie auch im wirklichen Leben so sehr, wenn die Leute vom ersten Stock ins Erdgeschoss mit dem Fahrstuhl fahren?
Thalbach: Nö. Also erster Stock… Kommt ja immer drauf an, wer da jetzt einsteigt. Wenn da jetzt so junge Burschen einsteigen, würde ich schon sagen: „Jetzt bewegt mal euren Arsch hier runter!“
Prahl: Da fällt mir eine schöne Anekdote von Andy Dresen ein. Der hat zusammen mit einem Freund mal in den Fahrstuhl ein Schild geklebt wo drauf stand: „Im 4. Stock bitte zügig aussteigen“. Dann haben sie sich versteckt und auf die Lauer gelegt und sich angekiekt, wie die Leute aus der Tür raus sind und gewartet haben, aber es passierte natürlich nichts.
Thalbach: Was für eine Idee!
Prahl: Find ich wirklich großartig.

Herr Prahl, bei unseren Recherchen sind wir auf ihre Homepage gestoßen …
Thalbach: Du hast ne Homepage?


Prahl:
Ja, da waren zwei Studentinnen, die an mich herangetreten sind, weil die das für ihr Studium machen sollten.
Thalbach: Ist ja geil.
Prahl: Musste mal raufklicken. Die ist lustig.

Im Bereich „Leben“ beantworten Pinguine uns Fragen zu ihrem Leben. Warum Pinguine?

Thalbach:
Das versteh ich.
Prahl: Weil die gute Frau die Pinguine ausgesucht hat und zwar lange vor der Pinguinflut mit diesen Pinguinfilm. Ich finde, das sind sehr sympathische Tiere, außerdem haben sie viel mit Wasser zu tun.
Thalbach: Und so einen schicken Anzug an.
Prahl: Ja, sehen immer schick aus. Und bewegen sich auch sehr ästhetisch. So wie ich. Nee, hat mir sehr gefallen. Sie hat mir das vorgeschlagen und ich fand das auf Anhieb super.

Vielen Dank für das Interview.

Das Gespräch führten Juliane Linke und Anne Christin Mook

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