Schrei in die Stille (SF Preußisch Gangster)

Schnee fällt leise zu Boden, im kleinen Örtchen Buckow bekommen die Schüler ihre Zeugnisse und der Weihnachtsmann wird bald vor der Tür stehen. Eine graue Idylle-scheinbar. Doch der Schein trügt. Was man nicht auf den ersten Blick sieht, wenn es einen dorthin verschlagen sollte, zeigt dieser gemeinschaftliche Debütfilm der Regisseure Irma-Kinga Stelmach und Bartosz Werner. Eine Subkultur, wie es sie vielerorts gibt, aber den meisten bleibt der Einblick verwährt.

Der Zuschauer begleitet den Alltag von drei jugendlichen Rappern; geprägt von Gewalt, Drogen, Lügen aber auch von Zärtlichkeit und der lebenswichtigen Musik. Dabei spielt die Kameraführung eine spezielle Rolle. Sie ist eine Art geheime Beobachterin, bedacht darauf, sich nicht allzu sehr den Protagonisten zu zeigen. Dies schafft eine sehr intensive und interessante Blickweise auf das Geschehen der jungen MCs.

Es werden Kontroversen aufgezeigt, die man so nicht vermuten würde. Einerseits die harte Schale, die im Kreise der Gleichaltrigen die Coolness aufrecht erhält, andererseits der weiche Kern, der der Familie und der Freundin vorbehalten ist. Zunächst wird die graue Welt draußen präsentiert und später die schillernde bunte Welt in den Clubs, wo man „fette“ Raps mit provokativen Texten zu hören bekommt. Ein Leben ohne Perspektive treibt die jungen Menschen zu Gewalt und Drogen. Manche von ihnen haben schon einige Zeit hinter schwedischen Gardinen verbracht, doch das hält sie nicht von neuen Straftaten ab.

Die beiden polnischen Regissuere von Preussisch GangstaDieser Film zeigt auf, wo die Politik handeln muss, um jungen Menschen zu zeigen, dass es noch andere Lebensinhalte gibt. Einige versuchen sich mit der Musik eine Stimme zu verschaffen, doch ohne ein offenes Ohr kann auch der lauteste Schrei nicht gehört werden.

Marco Herzog

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