Schizophrene Hyäne auf Konfrontationskurs (Dok. Too much future – Ostpunk)

„Hyäne komm raus“ brüllen sie und „wohnen dort, wo die Schizophrenie regiert.“ Zwischen Aggression und dem Wunsch nach Frieden, zwischen Gewalt und der Sehnsucht nach Freiheit versuchen Jugendliche der 80er und 90er Jahre ihre Identität zu finden.Carsten Fiebeler führt uns mit seiner Dokumentation „Too much future“ mehr oder weniger behutsam in die bunte Welt des Punks ein. Fünf erwachsene Menschen berichten unabhängig voneinander von ihren Erlebnissen aus ihrer wilden, vom Punk geprägten Jugend. Sie erzählen uns von ohrenbetäubenden Konzerten, von als minderwertig betrachteten Wochenendpunks und von Omas, die ratlos vor dem Plattenregal stehen, auf der Suche nach einer Punk-LP für den Enkel. Vor dem Zuschauer tut sich eine Welt auf, die von Individualismus, Konfrontation und politischer Unzufriedenheit geprägt ist. Punk als Sinnbild für Kleinkrieg im Frieden. Immer mit dem Ziel einer besseren Welt vor Augen unter dem drohenden Schatten der DDR und der Stasi. Denn Punk ist nicht nur eine Subkultur, die sich durch auffällige Klamotten und extravagante Frisuren definiert, Punk ist Provokation und Kritik am System.

Dieser Film versteht es nahezu perfekt, den Zuschauer in dieses mitreißende Körpergefühl eintauchen zu lassen. Die Befragten erzählen mit viel emotionaler Wärme von wahrer Eitelkeit für ihren ehemaligen Kleidungsstil und überzeugter Heiligsprechung sündhaft teurer Springerstiefel. Der sehr originelle und interessante Kameraschnitt ist mit exklusiven Geschmacksproben aus der Punkmusikszene gekonnt verfeinert und macht das Nachfühlen komplett. Am Ende wartet der Film mit einer Überraschung auf, die jedem Zuschauer ein Lächeln auf die Lippen zaubern dürfte: Die bislang einzeln konservierten Erzählstränge entpuppen sich als untrennbar miteinander verwoben. Eine wunderschöne Abschlussszene, aber sehen Sie selbst!

Felicia Schneiderhan

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