My mind is in the washing machine! (KF Der Junge in der Waschmaschine)

Im Strudel des Wassers werden Welten geboren. Jede Umdrehung schafft Neues und der Blick verschwimmt immer mehr in zahllosem Wirbeln und Drehen. Der Schleudergang wird Ausgangspunkt einer märchenhaften wie fantasievollen Reise voller Träumerei, Sehnsucht und Furcht.
Die Waschmaschine ist das letzte Refugium für den jung erscheinenden, aber seltsam alterslos wirkenden Hauptdarsteller des Kurzfilmes „Der Junge in der Waschmaschine“ von Tim Großkurth. Die Maschine ist Zufluchtsort vor quälender Stille und Wortlosigkeit in den großen, leeren Räumlichkeiten seiner Familie; sie ist Rückzugsort vor Desinteresse und unerträglich stechenden aber gleichermaßen ausdruckslosen Blicken. Allein das Auge der Waschmaschine vermag die Bitte auf den Gesichtszügen des Jungen zu lesen und zu erfüllen. In diesem bewegt er sich schwerelos durch die Weiten und Untiefen des Meeres, durchquert dunkle, urzeitlich anmutende Steingänge und sich von Zauberhand öffnende Türen. Die Bewohner dieser Welt sind dieselben wie die seines stummen Zuhauses, dem zu entfliehen er versucht, doch zugleich sie sind es auch nicht. Seine Mutter zwinkert ihm im Gewand eines Burgfräuleins aufmunternd zu, sein Vater schenkt ihm unter der Maske eines Pirots ein Lächeln. Wärme und Liebe haben Einzug gehalten in die zuvor verhärmten und zerfressenen Gesichter der Familie.
Es ist eine schweigsame, geräuscharme Erzählung die Tim Großkurth hier eindrucksvoll sowie beängstigend bebildert, eine Erzählung über die Welt innerhalb der Rotationen der Waschmaschinentrommel. Es ist aber auch eine Geschichte über das Unvermögen miteinander zu reden, über todesähnliche Stille, die sich schließlich in einem grauenvollen Schrei entlädt.

Juliane Linke

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