Jungs stinken (LR Die Farbe der Milch)

„Wir haben beschlossen uns ab jetzt für Jungen zu interessieren!“ Zwei Freundinnen blicken die dritte im Bunde gespannt an. Diese steht empört von der Hängematte auf, stützt die Arme in die Seiten und lässt ein vorwurfsvolles Schnauben vernehmen: „Wir hatten doch eine Abmachung!“ – keine Jungs, kein Knutschen, kein Sex. Statt dessen: weniger Probleme, weniger Stress und ein Leben voll und ganz gewidmet der Wissenschaft. Dass sich dieses Vorhaben nicht lange aufrecht erhalten lässt, muss die 12-jährige Selma, an der alles lauthals: „Pubertät“ schreit, bald am eigenen Leib erfahren. Über Sätze wie „Die Menschen in 2 Geschlechter zu teilen, hätte man sich sparen können. Das funktioniert eh nicht“ und ihre bahnbrechende Idee Fortpflanzung nur noch in Reagenzgläsern durchzuführen, findet sie am Ende des Sommer schließlich doch noch einen Weg sich mit sich selbst, vor allem aber mit Nachbarsjunge Andy zu arrangieren. Gemeinsam entdecken sie, dass Milch nicht nur weiß und Geburt und Tod doch nicht die wichtigsten Momente im Leben eines Menschen sind.
„Die Farbe der Milch“ von Torun Lian ist ein sommerlicher Kinderfilm über eine Reise vom Mond zum Strand und wieder zurück. Dass diese filmische Fahrt jedoch inhaltlich manchmal auf die schiefe Bahn gerät, lässt sich auch durch die schönsten Sommeraufnahmen nicht mehr begradigen. Wenn Selma beispielsweise nach dem Anblick zweier sich näher kommenden Menschen pikiert wegrennt und auf den Satz: „Das ist doch ganz natürlich“ nichts anderes zu antworten weiß als „Nein, das ist scheiße!“ ist dies wohl kaum die realistische Darstellung einer Pubertierenden, sondern viel mehr überzogen und nahezu lächerlich.
Nicht verwunderlich daher das Gespräch zwischen zwei ungefähr 10-jährigen Kindern in der Reihe hinter uns:

Sie „Wie hat er dir gefallen?“ Er (voller Inbrunst): „Überhaupt nicht!“

Anne Christin Kozian und Juliane Linke

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