Fast wie Monopoly (KF Wie ich ein freier Reisebegleiter wurde)

„In diesem Anzug war ich die humanoide Verlängerung des Automaten.“, stellt der Hauptdarsteller dieses Kurzfilms zufrieden fest. Verwunderlich?

Nun ja, an diese und andere Formulierungen gleicher Art wird sich der aufmerksame Zuschauer wohl gewöhnen müssen. Der etwas eigenwillige Film „Wie ich ein freier Reisebegleiter wurde“ profitiert davon allerdings gleichermaßen wie von der außergewöhnlichen Handhabung der Kamera, die kurzerhand ihre Authentizität dank eines Brotkostüms verliert. Etwas irritiert? Ein gewünschter Nebeneffekt des Regisseurs, der mit seinem Film durch die unkonventionelle Umsetzung dokumentarisch ernsten Stoffes brilliert. So legt er einen sozialpolitisch-kritischen Sprengsatz aus, den er durch ironische Selbstversuche zündet. Rücksichtslos stößt er den Zuschauer mit der Nase voraus auf gesellschaftliche Missstände, die vor allem im Deutschland von heute von aktueller Brisanz sind. Zentralthema ist das Arbeiten am untersten Limit der Einkommensgrenze. Ort des Geschehens: Frankfurt Flughafen. Der Hauptdarsteller, der gleichzeitig als Erzähler fungiert, führt den Zuschauer direkt zum Wundherd der deutschen Misswirtschaft. Hier stellt er Menschen vor, die sich durch Flaschenpfand und Gruppentickets der deutschen Bahn ihren täglichen Lebensunterhalt verdienen müssen. Die Unmittelbarkeit, mit der der Zuschauer diese Persönlichkeiten erlebt, macht die inhaltliche Faszination dieses Streifens aus. Gesellschaftlich pikierte Distanz wird hier durchbrochen und das Individuum hinter dem Typus des Sozialhilfeempfängers beleuchtet. Das verleiht dem Film eine sehr menschliche Note und fordert den Betrachter auf, sich mit diesen Menschen auf gleicher Augenhöhe auseinander zusetzten. Alles in allem ein sehenswerter Film, der vor allem durch seine Prägnanz besticht.

Felicia Schneiderhan

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