„Es werden zwei Engel kommen, die euch abholen.“ (SF Paradise Now)

Said und Khaled wachsen im israelisch besetzten Nablus (Palästina) auf. Die beiden sind gute Freunde, und beide sind sie wütend über die allgegenwärtigen Missstände in Palästina. Frustration, Perspektivlosigkeit und Armut sind ihre ständigen Begleiter. Sie geben Israel und dessen Besatzungspolitik die Schuld daran und stellen sich in den Dienst einer terroristischen Organisation.
Nach einer Bombenexplosion in Nablus werden die beiden Protagonisten „auserwählt“ aus Rache ein Selbstmordanschlag in Tel Aviv zu begehen. Zunächst ist Said verunsichert und Khaled derjenige, der keine Fragen stellt, den Auftrag einfach nur ausführen will. Nachdem jedoch das erste Attentat fehl schlägt, stehen sie abermals vor der Entscheidung sich für oder gegen den gewalttätigen Widerstand zu entschließen. Suah, eine Freundin, versucht mit allen Mitteln die beiden zum friedlichen Widerstand zu überzeugen, erreicht damit allerdings nur Khaled. Und so wendet sich die innere Überzeugung der beiden. Während Khaleds Unentschlossenheit durch das unmenschliche Vorgehen der Terrororganisation wächst, ist Said fest entschlossen den Anschlag durchzuführen.
Im Focus steht das Gefühlschaos Saids und Khaleds. Der Regisseur Hany Abu-Assad verzichtet dabei auf Hintergrundmusik und auffällige Geräuschkulisse. Er unterstützt allein durch detaillierte Aufnahmen der Gesichter auf eindrucksvolle Art die emotionale Verfassung der Attentäter.

Das Polit-Drama berührt, ohne sentimental zu sein. Paradise Now ist kein Film der Opfer, er dokumentiert den inneren Konflikt zweier Selbstmordattentäter und ihre Beweggründe. Der Film reduziert sie nicht auf gefühllose, monströs agierende Fanatiker, er zeigt sie als Menschen, die sich einerseits gegenüber der terroristischen Organisation verpflichtet fühlen und andererseits mit ihrer inneren Zwiespältigkeit kämpfen.

Anne Christin Kozian

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