Die Kehrseite der Macht (KF Security)

Wenn er aus seiner Höhle tritt, dann um zuzuschlagen. Er pirscht sich Regal um Regal vorwärts und beobachtet die Kunden. Erwischt er jemanden auf frischer Tat, führt er ihn in die dunklen Gänge des Supermarkts. Die Regale und Neonröhren der hellen Einkaufshalle verschwinden, der Kaufhausdetektiv ist allein mit seinem Opfer. Ist der Fall bearbeitet, steckt er sich eine Zigarette an.
In einem zwölfminütigen Alltagsausschnitt wird Beckers Leben komprimiert. Routine, Unzufriedenheit – es steht in seinem Blick, seinen Zigaretten und den fettigen Haaren.
Gleich zu Beginn spürt Becker eine Diebin auf, stellt sie, und bringt sie in seine Höhle. Dort gibt sie an, keinen Pass zu besitzen und bittet ihn, sie nicht anzuzeigen. Aus Mitleid lässt er sie laufen, unter der Bedingung, dass sie nie wiederkommt.
Doch sie kommt wieder. Am nächsten Tag steht sie zwischen den Regalen und steckt auffällig wahllos Artikel in ihre Jacke. Becker schleicht sich an, beobachtet. Sie geht, er folgt ihr. Dann verschwindet sie, nur, um direkt vor ihm wieder aufzutauchen. Halbherzig redet sie sich heraus, doch Becker winkt ab. Er fragt nach einem Rendezvous.
Und plötzlich sind die Rollen vertauscht: Sie zeigt ihren Ausweis. Der Kontrolleur wird kontrolliert. Seine Macht schwindet abrupt, nun ist er ertappt worden. Sie führt ihn nach hinten, die kahlen Gänge entlang. Sie sitzt auf seinem Stuhl, er ist der Täter. Das Restlicht zeigt noch, wie sie sich eine Zigarette ansteckt, dann macht sie die Tür zu, und Dunkelheit tritt ein.

Gastschreiber Johann Hüttner

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.