„Die Bibel ist der Weg, den man geht. Sie sagt die Wahrheit.“

Filmstill Ohne diese Welt

Argentinien. In einer kleinen Kolonie im Norden des Landes leben etwa 700 deutschstämmige Mennoniten abseits der Zivilisation. Ohne Autos. Ohne Internet. Ohne Stromanschluss. Das Radio und der Fernseher werden von ihrer Religion verboten. Wenn mal ein neuer Traktor angeschafft werden muss, werden die Gummireifen gegen Räder aus Stahl gewechselt. Damit es schwerer ist. Damit man leidet und sich deswegen stets Gott zuwendet. „Aber vor allem, das Leben eines Menschen, wenn man es ernst nimmt […] besteht zum größten Teil aus Traurigkeit. Denn wenn man traurig ist oder leidet, erinnert man Gott,“ predigt ein mennonitischer Familienvater.

Der 2017 erschienene Dokumentarfilm von Nora Fingscheidt nimmt uns mit in den Alltag der mennonitischen Kolonie. Wäsche wird per Hand auf einem Waschbrett gewaschen. Die Milch selber gemolken und weitere Entfernungen mit der Kutsche zurückgelegt. Die langen Haare der Frauen in einer Schüssel mit Wasser gewaschen. Leben wie im 18. Jahrhundert.

Der Film fällt zuallererst aufgrund seiner ungewöhnlichen Drehweise auf. Die Kamera verharrt teilweise Sekunden lang auf einem Bild. Zu lang, hat man manchmal den Eindruck. Als wolle sie die Langsamkeit, die Dynamik dieser Kolonie dadurch einfangen. Man fühlt sich unwohl. Als hätte man nicht das Recht eine Szenerie oder jemanden Fremdes so lange zu beobachten. Man hat Angst ertappt zu werden. Doch nach ein paar Minuten löst sich die Anspannung. Diese Technik des Drehens erlaubt einzutauchen in diese so andere Welt und somit auch eine unverfälschte Atmosphäre des Lebens dort einzufangen. Eines Lebens, welches von Tradition und Religion bestimmt wird. Das genau so viel Angst vor Veränderung, wie es danach Sehnsucht hat.
Ohne diese Welt ist ein eindrucksvoller Film, der durch seine Schlichtheit beeindruckt und durch die musiklose Stille hypnotisiert.

 

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