“Liebes Ich,” – damit fängt ein schöner Brief an. Doch wer schreibt uns so einen (Liebes-)Brief?

Foto: Luise Makarov

“Schreib dir selbst den Brief, den du schon immer bekommen wolltest,” fordert die Regisseurin Luise Makarov und erhält hunderte Schriftstücke. Inzwischen hat sie aus den Geschichten einen Dokumentarfilm erarbeitet.

Er handelt von Menschen, die dem Aufruf gefolgt sind und sich selber einen Brief geschrieben haben, den sie schon immer mal bekommen wollten. Denn das Leben scheint uns zu selten “Ich liebe dich” zu sagen. Auf die Idee für den Film kam Luise Makarov, nachdem sie sich selber einen Brief schrieb, um eine plötzliche Trennung zu verarbeiten. Und nun verarbeitet sie all die Antworten zu einem filmischen Poesiealbum.

Sechs Briefeschreibende lassen sich intim porträtieren. Luise Makarov begleitet mit der Kamera den Alltag und darf in die persönlichen Gedanken ihrer Mitmenschen eintauchen. Ausgangspunkt davon bilden nach wie vor die Briefe, die die Protagonist*innen für uns Zuschauende vorlesen. Und so haben auch wir Zugang zu der Gedankenwelt der Charaktere. Diese wirken sehr oft ins Schicksal ergeben. Was bei der Regisseurin so heilsam zu sein scheint, bleibt in der Gefühlswelt der anderen diffus. Mag es daran liegen, dass die Briefe nicht immer vorbehaltlos “Ich liebe dich!” sagen? Und was ändert das überhaupt an den alltäglichen Realitäten?

Regisseurin, Protagonist*innen und Zuschauende drehen sich im Kreis der Gefühle. Unerfüllter Gefühle und dem Darüberreden; Reden über unerfüllbare Lösungen. Einerseits fällt es uns schwer, die Erzählungen zu genießen. Die Bilder und Töne sind puristisch, die Situationen stehen für sich, auch leer. Dem Film ist keine Stimmung, keine Musik, keine Aufheller hinzugefügt. Andererseits beeindruckt genau diese Schlichtheit, die Eindrücke sind ungeschminkt.

Vielleicht sollten wir uns öfter (Liebes-)Briefe schreiben? Oder überhaupt mal “Ich liebe mich! Und ich liebe dich!” schreiben.