„Friss Ananas, Bürger, und Haselhuhn, bald musst du deinen letzten Seufzer tun.“

Filmstill – Alexander Benois in seiner Wohnung in St. Petersburg / Alexandre Benois in his apartment in St. Petersburg, Russia

Russland. Februar 1917. Die Menschen hungern, stehen Schlange vor geschlossenen Bäckereien und Läden. Am 23. Februar legen die Frauen die Arbeit nieder, gehen auf die Straße, um zu demonstrieren. „Wir wollen Brot!“, fordern sie. Spontan schließen sich ihnen Arbeiter an. Eine Erzählung wie aus dem Geschichtsbuch. Doch was hatte die Intelligenzija zu den Entwicklungen der Februar- und später der Oktoberrevolution von 1917 zu sagen?
Kathrin Rothe (Regie und Buch) betrachtet die Geschichtserzählung erneut, durch die Augen der zu der Zeit lebenden Künstler. Besser gesagt, durch ihre Werke. Da waren der immer in schwarz gekleidete Schriftsteller Gorki und Alexandre Benois die Sorge hatten um Denkmäler. Um sie vor den Folgen der Revolution zu bewahren, gründeten sie eine Kulturbehörde.
Währenddessen beobachtet Sinaida Hippius die Entwicklungen aus ihrem Fenster. Von ihm aus hat sie alles im Blick – ohne sich in Gefahr zu bringen – denn direkt gegenüber befindet sich das russische Parlament, die Duma.
Und dann ist da noch der junge aufbrausende Dichter Vladimir Majakowski. Immer wenn irgendwo geschossen wird, ist er vor Ort. Es ist die Sucht nach dem Rausch. Der Geist der Revolution der ihn anzieht.
Die von Katrin Rothe liebevoll in Stop-Motion gestaltete Dokumentation wandelt ein relativ trockenes historisches Ereignis in einen packenden Film, dessen Detailverliebtheit und Schönheit der Ausarbeitung hin und wieder vom Inhalt ablenken. 1917 – Der wahre Oktober ist ein Dokumentarfilm, den ich mir gerne im Geschichtsunterricht gewünscht hätte und den Lehrer*innen von heute ans Herz legen würde, um ihre Schüler*innen für dieses doch komplexe Thema zu begeistern.