Ich sitze da und bin wie gelähmt. Wie soll ich denn diese 131 Minuten Spielfilm in treffende, diesem Kunstwerk würdige Worte komprimieren? Na gut. Ich versuche es mal.

Foto: Falko Lachmund

Angie (Kim Riedle) ist ein deutscher C-Promi à la Daniela Katzenberger: so gut wie alles an ihr ist gemacht. Nachdem sie die Entzugsklinik verlassen hat, muss sie wieder in ihr Heimatkaff zu ihrer Mutter Monika (Juliane Köhler). Von ihren (falschen) Kokserfreunden hat keiner einen Platz für sie. Zu Hause erwarten sie nicht nur die verdrängten Mutter-Tochter-Konflikte, sondern auch ihre kleine Schwester Kiki (Leonie Wesselow). Aufgrund ihrer Epilepsie – von der Angie noch gar nichts wusste – lässt Monika die 14-jährige einen Schutzhelm tragen, hält sie von der Außenwelt abgeschirmt und versucht scheinbar, bei ihr alles besser zu machen, was sie bei Angie falsch gemacht hat. Nur leider viel zu übertrieben. Angie hilft Kiki, etwas mehr aus sich herauszukommen, während sie selbst versucht, über Dschungelcamp oder Promizoo irgendwie wieder ins Showgeschäft einzusteigen, koste es was es wolle.

Atmosphärische, treibende Musik, erbarmungslose Perspektiven, Charaktere, die vielschichtiger nicht sein könnten. Back for good hat mich überrascht. Nein, überrollt hat es mich. Am Anfang noch skeptisch, ob der C-Promi Stoff wirklich einen guten Film hergibt, hat mich Angie doch bald mitgenommen in ihre aufgestylte, unerbittliche Welt. Wie sich der Plot entwickelt ist absolut einzigartig und definitiv sehenswert. Die Kameraführung von Falko Lachmund zeigt uns die Hauptprotagonistin von all‘ ihren Seiten, lässt uns komplett in die Figur eintauchen. Die Regisseurin Mia Spengler liefert hiermit ein Meisterwerk ab. Alles, was widersprüchlich an Angie ist, empfinde ich mit. Ich bin verwirrt, will die Figur blöd und toll zugleich finden. Bis der Knoten platzt und ich nicht mehr kann. Nicht mehr kann vor Emotionen, vor Empathie, vor Bewunderung.  Das Familiendrama ist bereits für einige Preise nominiert und durfte auf der Berlinale die Sektion Perspektive Deutsches Kino eröffnen. Und diese Perspektive sieht grandios aus. Danke Mia Spengler.