„Was hältst du von der Europäischen Politik?“, fragt Jakob eine Bewohnerin des Camps vor den Zäunen Melillas. „Naja, also aktuell sitze ich hier im Dschungel, also nicht viel.“

Foto: Weydemnann Bros


Paul führt uns durch ein kleines kamerunisches, vor der Grenze Europas gelegenes Lager. Plastiktüten säumen unseren Weg dorthin. Sie sind von den Plastikzelten, in denen die Bewohner hausen, kaum zu unterscheiden. Er hat ein kluges Gesicht und einen stolzen Gang, unser Gastgeber. Würde man ihn aus der Szene herausschneiden und vor einen weißen Hintergrund setzen, wäre so ein Camp ein Ort, an dem man ihn weniger vermuten würde.
Als Paul über das Meer kam erzählt eine Geschichte, die man kennt. Die man schon so oft gehört, jedoch noch nie so wirklich verstanden hat. Die stets zu fern in den ganzen Zeitungen und Nachrichten wirkte, als das man sie hätte begreifen können.
Jakob Preuss schafft es, die globale Krise der Geflüchteten in einem einzigen persönlichen Schicksal einzufangen und uns auf der Leinwand ein Bild dieses Elends zu malen.
Mit einer Karte veranschaulicht er uns Pauls Route aus Kamerun ins so fern wirkende Europa. Jakob begleitet seinen Freund auf der ganzen Reise. Wenn nicht mit der Kamera, dann in Gedanken. Die Szenen, die er nicht aufnehmen konnte, ersetzt er durch Zeichnungen. So bleibt kein Detail aus, das von Bedeutung wäre.
Nicht selten bringt sich Preuss dabei in eine Lage, in der man sich fragt: Ist es rechtlich gesehen klug was er da tut? Fühlt er sich also verantwortlich für Pauls Schicksal?
Dieses Schicksal, das er mit so vielen anderen teilt. Manchmal – mit der sanften Musikuntermalung und Pauls ständigen Witzen – wird der Eindruck erweckt, dass es sich eher um ein Abenteuer als den Kampf ums Ãœberleben handelt.
Als Paul über das Meer kam – Tagebuch einer Begegnung kommt im September 2017 in die Kinos und hat bereits jetzt schon auf diversen Festivals einige Preise abstauben und wird es hoffentlich auch auf dem Filmkunstfest wieder schaffen können.